Kocht kaltes Wasser wirklich schneller?

Ein weit verbreiteter Mythos besagt, dass kaltes Wasser schneller zum Kochen kommt als warmes – doch das ist physikalisch nicht korrekt. Tatsächlich braucht kaltes Wasser mehr Zeit, um zu kochen, weil es von einer niedrigeren Ausgangstemperatur startet und mehr Energie benötigt, um die Siedetemperatur von 100 °C zu erreichen.

Woher kommt dann die Verwirrung? Der Irrtum beruht teilweise auf einem scheinbaren Phänomen: Kaltes Leitungswasser enthält mehr gelösten Sauerstoff als abgekochtes oder warmes Wasser. Wenn man es erhitzt, bilden sich beim Erwärmen bereits früh kleinere Bläschen – das ist der ausgestoßene Sauerstoff, der aus dem Wasser entweicht. Dieses Blubbern kann leicht mit dem Siedevorgang verwechselt werden, besonders kurz vor dem eigentlichen Kochen.

Wenn Sie hingegen bereits abgekochtes Wasser erneut erhitzen, hat es kaum noch Sauerstoff gelöst. Es blubbert später und „kocht“ scheinbar langsamer, obwohl der Temperaturanstieg gleich ist. Das führt zu dem subjektiven Eindruck, kaltes Wasser würde „früher“ kochen.

Ein weiterer Faktor kann die Art des Kochgeschirrs sein. In manchen Töpfen kann kaltes Wasser gleichmäßiger erwärmt werden, was den Eindruck einer schnelleren Erhitzung verstärken kann – besonders bei älteren Herdplatten.

Am Ende bleibt: Kalt wird warm, aber nicht schneller. Die Physik bleibt klar – warmes Wasser ist dem Siedepunkt näher und erreicht ihn deshalb schneller. Der Eindruck, kaltes Wasser koche früher, entsteht meist durch Beobachtungstäuschungen beim Blasenbildungsprozess.

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