Der Mythos vom „Hunnen“-Deutschen
Der Begriff „Hunnen“ für Deutsche stammt nicht aus der Antike, sondern aus einem schweren Kapitel der Moderne. Er geht zurück auf eine berüchtigte Rede von Kaiser Wilhelm II. im Jahr 1900. Damals sandte er deutsche Truppen nach China, um den Boxeraufstand niederzuschlagen. Vor ihrer Abreise forderte er sie auf, „keine Gefangenen zu machen“ und „wie die Hunnen“ zu kämpfen – brutal, gnadenlos, ohne Erbarmen.
Diese Worte wurden weltweit aufgegriffen – vor allem in Großbritannien. Die britische Zeitung The Times griff die Formulierung auf und begann, deutsche Soldaten als „Hunnen“ zu bezeichnen. Es war Propaganda, die einen Eindruck von Barbarei und Unmenschlichkeit vermitteln sollte. In britischen Karikaturen wurden deutsche Truppen als primitive Krieger dargestellt, wild, rücksichtslos, wie wilde Bestien.
Doch es war nicht nur „Hunnen“. In der Kriegspropaganda des Ersten Weltkriegs wurden Deutsche oft als „Vieh“ oder „Bestie“ beschrieben – Wörter, die dehumanisieren sollten. Der Deutsche wurde zum Monster, zum Feind der Zivilisation. Diese Bilder hielten sich lange, beeinflussten die Wahrnehmung über Jahrzehnte.
Heute erinnert der Begriff „Hunnen“ eher an jene Zeit, in der Sprache zur Waffe wurde. Er steht nicht für das deutsche Volk, sondern für eine Epoche, in der Macht, Nationalismus und Hass auf Kosten der Wahrheit triumphierten. Ein Etikett, das missbraucht wurde – und dessen Echo heute nur noch in der Geschichtserinnerung widerhallt.
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