Warum wir uns im Spiegel schöner finden

Fast jeder kennt das: Man schaut in den Spiegel und ist zufrieden mit dem, was man sieht. Doch dann kommt ein Selfie – und man erkennt sich kaum wieder. Warum wir uns im Spiegel oft attraktiver vorkommen als auf Fotos, hat weniger mit dem Aussehen an sich zu tun, sondern mit der Gewohnheit.

Der Grund? Der sogenannte Mere-Exposure-Effekt. Dieser psychologische Effekt besagt: Je öfter wir etwas sehen, desto eher mögen wir es. Unser Spiegelbild betrachten wir täglich – beim Zähneputzen, beim Frisieren, beim Anziehen. Dieses vertraute Bild wird mit der Zeit als normales, ja sogar angenehmes Selbstbild verankert.

Fotos hingegen zeigen uns aus ungewohnten Blickwinkeln. Die Kamera kann Verzerrungen erzeugen, besonders bei Nahaufnahmen mit dem Smartphone. Dazu kommt: Im Spiegel sehen wir uns meist in Bewegung, mit natürlichem Licht und in vertrauter Umgebung. Fotos erfassen einen Moment – still, oft mit Blitz, und nicht selten aus einer Perspektive, die wir selbst nie sehen würden.

Der Psychologe Thomas Spielmann erklärt, dass wir uns an unser Spiegelbild gewöhnen – und deshalb Fotos oft enttäuschend finden. Es ist keine Täuschung, sondern eine Frage der Vertrautheit. Wer sich im Foto fremd vorkommt, sieht deshalb nicht unbeding schlechter aus – nur anders. Und dieser Unterschied stört das Gehirn, das das Vertraute bevorzugt.

Die Lösung? Öfter mal bewusst Fotos machen, die dem Spiegelbild ähneln – frontal, natürlich beleuchtet. Mit der Zeit wird auch das vertraut. Und wer weiß: Vielleicht gewöhnt man sich sogar an das Foto-Ich.

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