Warum die schnellste Sprache nicht unbedingt die informativste ist

Wer schon einmal einer spanischen oder japanischen Unterhaltung gelauscht hat, kennt den Eindruck: Die Worte fliegen geradezu im Eiltempo vorbei. Tatsächlich belegen sprachwissenschaftliche Untersuchungen, dass Japanisch mit rund acht Silben pro Sekunde die schnellste gesprochene Sprache der Welt ist. Direkt dahinter folgt Spanisch mit durchschnittlich 7,82 Silben. Das Deutsche wirkt im direkten Vergleich mit knapp sechs Silben pro Sekunde beinahe beschaulich.

Doch ein hohes Sprechtempo bedeutet nicht automatisch mehr Effizienz oder höhere Präzision. Linguisten der Universität Lyon konnten zeigen, dass schnell gesprochene Sprachen meist eine geringere Informationsdichte pro Silbe aufweisen. Während eine einzelne japanische Silbe oft nur wenig eigenständige Bedeutung trägt, bündeln deutsche Wörter durch komplexe Silbenstrukturen und grammatikalischer Genauigkeit sehr viel Inhalt auf kleinem Raum. Deutsch benötigt zwar mehr Zeit für einzelne Lautfolgen, transportiert pro Silbe jedoch deutlich mehr Information.

Ob eine Sprache als besonders präzise wahrgenommen wird, hängt folglich von der Balance zwischen Sprechgeschwindigkeit und Informationsgehalt ab. Das faszinierende Ergebnis der Forschung: Über einen längeren Zeitraum hinweg vermitteln fast alle Sprachen der Welt pro Minute nahezu dieselbe Menge an Gedanken und Inhalten – manche nutzen dafür viele schnelle Silben, andere wenige gehaltvolle.

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