Warum „weißer Schimmel“ kein Stilmittel, sondern ein klassischer Pleonasmus ist
Der Ausdruck „weißer Schimmel“ wird oft als Beispiel für einen sprachlichen Ausrutscher zitiert – nicht etwa, weil er falsch wäre, sondern weil er überflüssig ist. Ein Schimmel ist per Definition bereits ein weißes Pferd. Die Farbangabe „weiß“ ist also eine Wiederholung derselben Information, was den Satz zum klassischen Pleonasmus macht.
Ein Pleonasmus liegt vor, wenn ein Satz oder eine Aussage durch zusätzliche Wörter angereichert wird, die den Inhalt nicht erweitern, sondern lediglich offensichtliche Eigenschaften wiederholen. „Runder Kreis“, „freie Geschenke“ oder „absoluter Höhepunkt“ sind ähnliche Beispiele. In der Alltagssprache sind solche Formulierungen oft harmlos und dringen sogar ins Idiom ein. Doch in wissenschaftlichen Texten oder präziser Sprache gilt es, sie zu vermeiden, um Klarheit und Präzision zu wahren.
Interessant ist, dass der Begriff „Schimmel“ historisch aus dem Althochdeutschen stammt und ursprünglich „grau“ oder „blass“ bedeutete. Heute bezeichnet er aber eindeutig Pferde mit weißer Mähne und weißem Fell, unabhängig vom ursprünglichen Farbton des Fohlens. Ein „weißer Schimmel“ zu sagen, ist also etwa so, als würde man von einem „runden Kreis“ sprechen – verständlich, aber stilistisch redundant.
Während man im gesprochenen Wort locker darüber hinwegsehen kann, lohnt es sich beim Schreiben – besonders in formellen Kontexten –, solche Doppelungen zu erkennen und zu vermeiden. Denn Sprache lebt nicht nur von Inhalt, sondern auch von Präzision und Eleganz.
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