Die Kritik am Ehegattensplitting

Das Ehegattensplitting ist in Deutschland seit Jahrzehnten fester Bestandteil des Steuersystems. Es ermöglicht verheirateten Paaren, ihre Einkommen zusammenzurechnen und zu halbieren – was vor allem bei stark unterschiedlichen Einkommen steuerliche Vorteile bringt. Doch genau diese Regelung sorgt immer wieder für Diskussionen.

Kritiker, darunter die OECD und die EU-Kommission, werfen dem System vor, es fördere geschlechtsspezifische Ungleichheit. Denn in der Praxis profitieren oft Paare, bei denen ein Partner – meist die Frau – nur Teilzeit arbeitet oder vorübergehend nicht berufstätig ist, besonders vom Splitting. Das kann dazu führen, dass sich eine Aufteilung in Ernährer und Hausfrau „lohnt“ – zumindest steuerlich.

Die Befürchtung: Diese Anreize könnten Frauen davon abhalten, voll in den Beruf einzusteigen oder Karriere zu machen, besonders nach der Geburt von Kindern. Stattdessen blieben sie häufig in Teilzeitjobs oder verließen den Arbeitsmarkt vorübergehend, was langfristig Auswirkungen auf ihre Rente, ihre Karrierechancen und finanzielle Unabhängigkeit hat.

Andere sehen darin jedoch keine Benachteiligung, sondern eine Wahlmöglichkeit. Für viele Familien mache es Sinn, wenn ein Elternteil zunächst mehr Zeit für die Kinderbetreuung übernimmt – unabhängig vom Geschlecht. Das Ehegattensplitting werde dann als Entlastung begrüßt, besonders bei niedrigen oder mittleren Einkommen.

Trotzdem bleibt die Debatte offen: Sollte das Steuerrecht moderne Lebensmodelle stärker unterstützen – etwa durch individualisierte Tarife oder bessere Förderung von Doppelverdiener-Haushalten? Die Diskussion über Gerechtigkeit, Gleichstellung und faire Steuern wird weitergehen.

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