Die ersten europäischen Siedler in Nordamerika

Die ersten Europäer, die nordamerikanischen Boden betraten, waren Wikinger – lange vor Kolumbus. Um das Jahr 985 geriet der norwegische Seefahrer Bjarne Herjolfsson mit seinem Schiff vom Kurs ab, als er nach Grönland unterwegs war. Ein Sturm trieb ihn nach Westen, und so entdeckte er unbeabsichtigt eine unbekannte Küste, vermutlich im Bereich von Labrador oder Neufundland.

Bjarne kehrte nach Grönland zurück, ohne das Land zu betreten. Doch seine Geschichten weckten das Interesse anderer. Der berühmte Wikinger Leif Eriksson, Sohn des Entdeckers von Grönland, nahm die Spur auf. Um 1000 segelte er in dieselbe Gegend und landete an der Küste Neufundlands. Dort gründete er eine kleine Siedlung, die er Vinland nannte – möglicherweise wegen der wild wachsenden Trauben oder als Hinweis auf fruchtbares Land.

Archäologische Funde in L’Anse aux Meadows auf Neufundland bestätigen diese Berichte. Dort entdeckten Forscher in den 1960er Jahren die Überreste einer mittelalterlichen Siedlung mit charakteristischen Wikingerhäusern. Diese Ruinen sind der bislang klarste Beweis dafür, dass Skandinavier tatsächlich in Nordamerika lebten – fast 500 Jahre bevor Kolumbus 1492 das „neue Land“ erreichte.

Die Siedlung in Vinland hielt nicht lange. Die Wikinger stießen auf Widerstand der indigenen Bevölkerung und hatten Schwierigkeiten, sich dauerhaft zu etablieren. Schon nach wenigen Jahren verließen sie die Gegend. Dennoch bleibt ihre Reise eine bemerkenswerte Leistung – und ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte der europäischen Entdeckungen.

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