Sprachen, die nicht grammatisch gendern
In vielen Sprachen wird zwischen männlich und weiblich unterschieden – nicht nur bei Personen, sondern auch in der Grammatik. Doch es gibt auch Sprachen, in denen das Geschlecht weder in der Grammatik noch in der Anrede eine Rolle spielt. Diese Sprachen zählen zum sogenannten „neutralen“ oder „geschlechtslosen“ Typ im Language Index of Grammatical Gender Dimensions.
Zu diesen Sprachen gehören beispielsweise Estnisch, Finnisch, Türkisch und Ungarisch. Auch viele asiatische Sprachen wie Chinesisch, Japanisch oder Thailändisch kennen keine grammatikalische Geschlechterdifferenzierung. Das bedeutet: Artikel, Pronomen oder Adjektive verändern sich nicht je nach Geschlecht einer Person. Ein Satz wie „Der Lehrer kommt“ wird unabhängig vom Geschlecht der Person gleich formuliert.
Interessant ist, dass diese Sprachen trotzdem in der Kommunikation zwischen Menschen Unterschiede machen können – zum Beispiel durch spezifische Berufsbezeichnungen oder durch Kontext. Doch grammatisch gendern sie nicht. Das macht es einfacher, geschlechtsneutral zu sprechen, ohne neue Schreibweisen erfinden zu müssen.
Im Vergleich dazu ringen deutschsprachige Gesellschaften heute mit Formen wie Binnenschreibungen oder Gendersternchen, um gerechter zu werden. In Sprachen ohne grammatische Geschlechtsmarkierung ist das gar nicht nötig – die Struktur selbst ist bereits inklusiver. Das zeigt: Sprache beeinflusst, wie wir die Welt sehen – und nicht jede Sprache teilt die Welt in „er“ und „sie“.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Seien Sie der Erste.