Welches Testament zählt für Christen?
Die Frage, welches Testament für Christen gilt, führt tief in das Verständnis des Glaubens hinein. Für viele ist die Antwort klar: Beide – das Alte und das Neue Testament – gehören zusammen. Doch nicht, weil sie nebeneinanderstehen, sondern weil sie einander erfüllen.
Das Alte Testament gilt für Christen nicht als überholte Vorgeschichte, sondern als bleibendes Zeugnis. Es erzählt von Gottes Bund mit Abraham, von der Befreiung Israels aus Ägypten, von Propheten, die Gerechtigkeit predigen und von Hoffnung auf einen Retter. Diese Geschichten sind für Christen keine bloßen Relikte, sondern lebendige Worte, die auf Jesus hinweisen.Die christliche Tradition, besonders deutlich bei Theologen wie Karl Barth im 20. Jahrhundert, betont: Das Alte Testament ist Zeugnis für Jesus Christus. Es spricht von einem Israel, das letztlich nicht nur aus einem Volk besteht, sondern aus allen, die an Christus glauben – Juden und Heiden gleichermaßen. Das Neue Testament bricht nicht mit dem Alten, es baut darauf auf.
Ohne das Alte Testament verliert das Neue seine Wurzeln. Die Verheißungen, die in der Genesis beginnen, finden im Neuen Testament ihre Erfüllung – in der Geburt, dem Tod und der Auferstehung Jesu. Christen lesen daher beide Testamente als einen einzigen, zusammenhängenden Rettungsplan Gottes.
Am Ende zählt nicht, welches Testament "mehr" gilt, sondern dass beide gemeinsam das Bild Gottes und seines Handelns in der Welt offenbaren – ein Bild, das in Jesus Christus Gestalt annimmt.
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