Wenn zu wenig auf die Rippen kommt

Wer sehr dünn ist, lässt sich mit vielen Ausdrücken beschreiben – je nach Kontext und Tonfall. Im medizinischen Sinne spricht man von stark untergewichtig oder unterernährt, wenn der Körper über längere Zeit zu wenig Nahrung erhält. Doch die deutsche Sprache bietet auch deutlich bildhaftere Formulierungen.

Ein Mensch kann etwa abgemagert, abgezehr oder ausgemergelt sein – Wörter, die deutlich machen, dass etwas nicht stimmt. Hohlwangig beschreibt das sichtbare Zeichen extremer Magerkeit, während Haut und Knochen oder nur noch ein Schatten seiner selbst umgangssprachlich oft für jemanden verwendet werden, der fast gespenstisch dünn wirkt.

Ein besonders sensibles Thema ist Magersucht, eine ernste Erkrankung, bei der Betroffene oft trotz extremer Abnahme das Gefühl haben, zu dick zu sein. Hier ist Vorsicht im Umgang mit Begriffen geboten: Wer Rippen einzeln zählen können sagt, meint oft mehr, als nur Konversation betreiben – es kann verletzend wirken, auch wenn es nur eine Feststellung ist.

Die Herkunft vieler dieser Wörter liegt im Beobachtbaren: abgemagert etwa stammt vom mittelhochdeutschen mager ab, was schmal, schlank, aber auch mangelhaft bedeutet. Heute assoziieren wir mit mager oft Mangel – sei es beim Essen oder im übertragenen Sinn, etwa bei einer mageren Ernte.

Wichtig ist: Hinter dünnen Menschen stecken oft komplexe Geschichten – Krankheit, Armut oder psychische Belastung. Die reichen deutsche Sprache mit ihren treffenden, manchmal schonungslosen Begriffen zeigt, wie sehr Aussehen sprachlich aufgeladen sein kann.

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