Wie häufig ist Intersexualität?
Intersexuelle Menschen – also Personen, deren Geschlechtsmerkmale nicht eindeutig dem biologischen Schema von „männlich“ oder „weiblich“ entsprechen – sind selten, aber keineswegs ein Einzelfall. In Deutschland wird geschätzt, dass etwa einer von 8.000 bis 10.000 Menschen intersexuell geboren wird. Das klingt nach einer kleinen Zahl, doch bedeutet es, dass jährlich zwischen 100 und 160 Babys allein hierzulande mit solchen körperlichen Merkmalen zur Welt kommen – und das oft bereits bei der Geburt auffällt.
Professor Olaf Hiort, Experte für pädiatrische Endokrinologie und Sprecher der klinischen Forschergruppe „Intersexualität“ an der Universität Lübeck, betont, dass Intersexualität kein medizinischer Notfall ist, sondern eine natürliche Variante der menschlichen Entwicklung. Dennoch wurden intersexuelle Kinder in der Vergangenheit oft vorschnell operiert, um ihr Erscheinungsbild einem klaren Geschlecht zuzuordnen – ein Vorgehen, das heute zunehmend kritisiert wird.
Heute rücken medizinische und gesellschaftliche Ansätze stärker auf Selbstbestimmung und informierte Entscheidungen. Viele Betroffene fordern, dass medizinische Eingriffe erst dann vorgenommen werden, wenn das Kind alt genug ist, selbst mitzubestimmen. Denn hinter der Zahl verbirgt sich immer ein Mensch – mit eigenen Gefühlen, Identität und Recht auf ein selbstbestimmtes Leben.
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