Wie Menschen mit Borderline auf Abweisung reagieren

Wenn jemand mit Borderline-Erkrankung das Gefühl hat, abgelehnt oder kritisiert zu werden, kann die Reaktion sehr intensiv ausfallen. Oft folgt eine starke emotionale Distanzierung – manchmal sogar die komplette Ablehnung oder Entwertung der anderen Person. Das liegt daran, dass viele Betroffene in der Kindheit nie erleben durften, dass Liebe und Ärger nebeneinander existieren können. Bei ihnen wurde Zuwendung oft mit Bedingungen verknüpft: Wer liebte, war verlässlich – wer verärgert war, galt plötzlich als „böse“ oder „weg“.

So lernten sie, zwischen „gut“ und „böse“ zu unterscheiden – ohne Zwischentöne. Wenn ein Partner heute eine Grenze setzt oder einfach mal frustriert ist, wird das schnell als völlige Ablehnung erlebt. Die Angst vor dem Verlust wird überwältigend. Statt ruhig zu bleiben oder nachzufragen, wird oft zurückgeschlagen – mit Vorwürfen, Distanz oder dramatischen Reaktionen.

Das ist nicht manipulativ gemeint, sondern ein verzweifelter Versuch, Nähe zu halten. Die innere Wunde ist meist tief: die Angst, unzulänglich zu sein und deshalb verlassen zu werden. Mit Psychotherapie – etwa mittels DBT – können Betroffene lernen, solche Momente besser zu durchleben, ohne sofort abzuschieben oder sich abzukapseln.

Verständnis hilft – sowohl für den Betroffenen als auch für das Umfeld. Es geht nicht darum, schlechtes Verhalten zu entschuldigen, sondern zu erkennen: Hinter der scharfen Reaktion steckt meist ein verletztes Kind, das nicht wusste, wie man mit menschlichen Schwächen umgeht – bei sich selbst und bei anderen.

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