Wie wird im Französischen gendergerecht geschrieben?

Im französischen Sprachraum wird seit Jahren über geschlechtergerechte Sprache diskutiert – besonders im schriftlichen Bereich. Anders als im Deutschen, wo man etwa „Präsident\*in“ oder „alle Studierenden“ sagt, hat sich im Französischen eine besondere Schreibweise etabliert: das sogenannte „écriture inclusive“, also die inklusive Schreibung.

Beim Gendern im Französischen werden typischerweise Punkt oder Bindestrich verwendet, um sowohl männliche als auch weibliche Formen abzubilden. So schreibt man etwa „président.e.s“ für „Präsidentinnen und Präsidenten“ oder „sénateur.rice.s“, um Senatorinnen und Senatoren gemeinsam zu benennen. Auch Anreden wie „cher-e-s lecteur-rice-s“ (liebe Leserinnen und Leser) gehören dazu. Diese Schreibweise macht das Geschlecht explizit und versucht, die oft unsichtbare Dominanz der männlichen Form zu durchbrechen.

Doch die Debatte ist emotional. Während viele Bildungseinrichtungen und Aktivist:innen die inklusive Schreibung begrüßen, lehnt sie beispielsweise der französische Senat ab. 2023 stimmte er für ein Verbot dieser Form in offiziellen Dokumenten – aus Sorge, die Sprache könnte unverständlich oder „zerschlagen“ werden. Kritiker sehen darin aber auch einen Rückzug vor gesellschaftlichem Wandel.

Trotz des politischen Streits bleibt die geschlechtergerechte Schreibung vor allem in sozialen Bewegungen, Hochschulen und Teilen der Medien präsent. Sie zeigt, wie lebendig die Sprache ist – und wie sehr Worte zählen, wenn es um Gleichstellung geht.

Siehe auch

Ausführliche Artikel

Verwandte Themen