Hannover und der Mythos vom besten Hochdeutsch
Seit Generationen hält sich hartnäckig die Behauptung, dass im Raum Hannover das reinste und verständlichste Hochdeutsch gesprochen wird. Was lange Zeit als sprachlicher Mythos galt, hat auch in Umfragen handfesten Rückhalt. Eine Untersuchung der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) konnte dieses Phänomen bundesweit bestätigen: Rund 24 Prozent der Befragten sehen die Region Hannover als den Ort an, an dem das beste Hochdeutsch gesprochen wird. Dahinter folgen Niedersachsen insgesamt mit 14 Prozent und Nordrhein-Westfalen mit 6 Prozent.
Doch warum gilt ausgerechnet die niedersächsische Landeshauptstadt als Hochburg der Dialektfreiheit? Historisch betrachtet war das heutige Standarddeutsch für den Norden eigentlich eine erlernte Schriftsprache. Ursprünglich wurde in der Region Niederdeutsch gesprochen. Als sich das Hochdeutsche als gemeinsame Schriftsprache durchsetzte, übernahmen die Menschen vor Ort die Wörter sehr nah an der gedruckten Schrift. Da kein eigener hochdeutscher Dialekt die Aussprache verfälschte, etablierte sich ein besonders klares und akzentfreies Lautbild.
Auch wenn Sprachwissenschaftler betonen, dass ein einziges „perfektes“ Hochdeutsch eine Idealvorstellung ist, gilt der Klang im Raum Hannover für viele Menschen als natürlicher Maßstab. Es ist genau jene Aussprache, die man heute auch aus bundesweiten Nachrichtenmedien und dem Fernsehen kennt.
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