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Ehrlich gesagt ist die Antwort ein klares Ja, aber mit einem gewaltigen Haken: Das EKG muss genau in dem Moment laufen, in dem es in der Brust flattert oder rumpelt. Herzstolpern, medizinisch als Extrasystolen bekannt, hinterlässt im Elektrokardiogramm einen absolut charakteristischen Fingerabdruck, den jeder Kardiologe sofort erkennt. Doch das Problem ist die Flüchtigkeit dieses Phänomens. Wer nur für zehn Sekunden auf der Liege verkabelt ist, geht oft mit einem völlig unauffälligen Befund nach Hause, obwohl die Pumpe fünf Minuten vorher noch ordentlich Achterbahn gefahren ist. Es ist ein Spiel gegen die Zeit und den Zufall.
Was genau passiert eigentlich, wenn das Herz aus dem Takt gerät?
Bevor wir uns die Linien auf dem Papier ansehen, müssen wir verstehen, was da im Brustkorb physikalisch schiefläuft. Ein gesundes Herz arbeitet wie ein perfekt eingestelltes Uhrwerk, gesteuert durch elektrische Impulse, die vom Sinusknoten ausgehen. Doch manchmal gibt es kleine Rebellengruppen im Herzmuskelgewebe. Diese Zellen feuern eigenmächtig einen elektrischen Impuls ab, bevor der Sinusknoten eigentlich an der Reihe wäre. Das Ergebnis ist ein vorzeitiger Schlag, die sogenannte Extrasystole. Das Herzstolpern, das wir spüren, ist meist gar nicht dieser Extraschlag selbst, sondern die darauffolgende kurze Pause und der darauffolgende, besonders kräftige Schlag, mit dem das Herz versucht, wieder in den normalen Rhythmus zu kommen. Man hat das Gefühl, der Motor verschluckt sich kurz.
Die Anatomie der Extrasystole auf dem Papier
Wenn wir uns fragen, ob man Herzstolpern auf dem EKG sehen kann, blicken wir auf die P-Wellen und den QRS-Komplex. Bei einer ventrikulären Extrasystole, die aus den Herzkammern kommt, sieht die Kurve plötzlich völlig deformiert aus. Sie ist breit, klobig und passt so gar nicht in das sonst so elegante Zackenmuster des restlichen Verlaufs. Wo es hakt, ist die elektrische Ausbreitung. Weil der Impuls nicht über die schnellen Standard-Leitungsbahnen geht, sondern sich mühsam durch den Muskel quält, dauert die Zacke länger. Ein geschulter Arzt sieht das sofort und kann sogar ziemlich präzise sagen, aus welcher Ecke der Kammer dieser Querschläger kam. Es ist eine Art elektrisches Fahndungsfoto, das keinen Zweifel zulässt, sofern man den Moment des Auslösers erwischt.
Häufige Fehler oder Missverständnisse
Das Missverständnis des perfekten Momentaufnahmen-EKGs
Einer der am weitesten verbreiteten Irrtümer in der kardiologischen Diagnostik ist der Glaube, dass ein unauffälliges Ruhe-EKG den Ausschluss von Herzrhythmusstörungen bedeutet. Patienten sind oft frustriert, wenn sie während einer Episode von Herzstolpern den Arzt aufsuchen, das Gerät jedoch genau in den zehn Sekunden der Aufzeichnung einen vollkommenen Sinusrhythmus anzeigt. Man muss verstehen, dass ein Standard-EKG lediglich eine Momentaufnahme darstellt. Wenn das Herzstolpern paroxysmal, also anfallsartig auftritt, ist die Wahrscheinlichkeit, es in diesem kurzen Zeitfenster zu dokumentieren, statistisch gering. Ein unauffälliger Befund bedeutet in diesem Fall lediglich, dass zum Zeitpunkt der Messung keine Extrasystolen vorlagen, sagt aber nichts über die Beschwerden aus, die fünf Minuten zuvor oder danach aufgetreten sind. Dieser Fehlinterpretation folgt oft eine unnötige Verunsicherung der Betroffenen, die ihre Symptome dann als eingebildet wahrnehmen.
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