Kann man Trauma aus der Kindheit vergessen? (Teil 1)
Die Frage, ob man ein schweres Trauma aus der Kindheit komplett vergessen kann, beschäftigt Betroffene, Psychologen und Hirnforscher gleichermaßen. Äußere Umstände, schwere Schicksalsschläge oder Gewalt hinterlassen Spuren in der Psyche. Doch während manche Menschen ihr Leben lang von detaillierten Erinnerungen an schreckliche Ereignisse gequält werden, scheinen andere wie ein unbeschriebenes Blatt aufzuwachsen – scheinbar ohne jedes Bewusstsein für das, was ihnen widerfahren ist. Aber ist dieses „Vergessen“ ein echtes Löschen der Datei im Gehirn, oder handelt es sich um einen tiefgreifenden Schutzmechanismus?
Die biologische Funktionsweise des Gehirns bei extremem Stress
Um zu verstehen, wie das Gedächtnis mit frühkindlichen Traumata umgeht, muss man einen Blick auf die Neurobiologie werfen.
Der Hippocampus unter Stress: Der Hippocampus ist im menschlichen Gehirn dafür zuständig, Erlebnisse wie in einer chronologischen Chronik abzuspeichern – mit einem klaren „Das ist damals passiert“-Stempel.
Unter dem Einfluss von extremen Stresshormonen (wie Cortisol und Adrenalin) kann dieser Bereich des Gehirns jedoch vorübergehend seine Arbeit einstellen oder blockiert werden. Fragmentierte Erinnerungen: Das hat zur Folge, dass das traumatische Ereignis oft nicht als zusammenhängende Geschichte abgespeichert wird.
Stattdessen bleiben Bruchstücke zurück: ein bestimmter Geruch, ein lautes Geräusch, ein diffuses Angstgefühl oder visuelle Fragmente. Die Rolle der Amygdala: Die Amygdala, das emotionale Alarmzentrum des Gehirns, speichert die Gefühle und körperlichen Reaktionen des Schreckens ab, während die bewusste, erzählende Erinnerung fehlt.
Phänomen der dissoziativen Amnesie
Wenn Erlebnisse so unerträglich, schmerzhaft oder furchtbar sind, dass das kindliche Bewusstsein sie nicht verarbeiten kann, greift oft ein psychischer Schutzmechanismus: die dissoziative Amnesie.
„Das Gehirn trennt sich gewissermaßen von der Realität des Erlebten, um die psychische Integrität des Kindes vor der totalen Zerstörung zu bewahren.“
Betroffene vergessen dabei nicht einfach wie bei einem alltäglichen Filmriss, sondern ganze Lebensabschnitte oder spezifische Ereignisse werden hinter einer mentalen Mauer verborgen.
Möchten Sie, dass ich im zweiten Teil dieses Artikels näher darauf eingehe, wie sich diese vergrabenen Erinnerungen im späteren Leben (zum Beispiel durch sogenannte Trigger) dennoch bemerkbar machen können?
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