Sind traumatisierte Menschen gefährlich? Mythen, Fakten und die Realität von Traumafolgestörungen (Teil 1)

Das Thema psychische Gesundheit rückt glücklicherweise immer stärker in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung. Dennoch existieren nach wie vor hartnäckige Vorurteile und Stigmatisierungen, insbesondere wenn es um schwerwiegende seelische Verletzungen geht. Ein besonders sensibles und von Ängsten begleitetes Vorurteil lautet: Sind traumatisierte Menschen gefährlich?

Diese Frage wird in Medien, Filmen und Diskussionen oft mit reißerischen Untertönen behandelt, wobei Betroffene fälschlicherweise häufig mit unberechenbarer Aggression oder Gewalt in Verbindung gebracht werden. Um diesem komplexen Thema wissenschaftlich fundiert und differenziert zu begegnen, ist ein Blick auf die psychologischen Hintergründe, die tatsächlichen Symptome von Traumafolgestörungen sowie die echten statistischen Zusammenhänge unerlässlich.

Was bedeutet eine Traumatisierung wirklich?

Um beurteilen zu können, ob von traumatisierten Menschen eine Gefahr ausgeht, muss zunächst verstanden werden, was ein Trauma im psychologischen Sinne überhaupt ist. Ein Trauma ist kein alltäglicher Stress und keine einfache Belastungssituation. Vielmehr handelt es sich um ein schreckliches Ereignis oder eine Extremsituation – wie etwa schwere Unfälle, Naturkatastrophen, Kriegserfahrungen oder zwischenmenschliche Gewalt wie Missbrauch und Folter –, die die normalen Bewältigungsstrategien eines Menschen komplett überfordert.

  • Überwältigung der Psyche: Die betroffene Person erlebt eine Situation von Todesangst, völliger Hilflosigkeit und Kontrollverlust.

  • Das Alarmsystem im Dauermodus: Nach einem solchen Erlebnis bleibt das Nervensystem oft in einer Art permanentem Alarmzustand (Hyperarousal) gefangen.

  • Schutzmechanismen: Viele Betroffene entwickeln als Reaktion eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), die sich durch flashbacks, Albträume oder ausgeprägtes Vermeidungsverhalten äußern kann.

Die Perspektive der Betroffenen: Rückzug statt Angriff

Entgegen dem Klischee, das durch Hollywood-Filme und Medienberichte oft geschürt wird, neigen traumatisierte Menschen in der überwiegenden Mehrheit der Fälle keineswegs dazu, andere anzugreifen oder eine Bedrohung für ihr Umfeld darzustellen.

Das Gegenteil ist der Fall: Die typischen Verhaltensweisen nach einer schweren Traumatisierung sind stark von Rückzug, Vermeidung und innerer Erstarrung geprägt. Menschen, die unter den Folgen eines Traumas leiden, sind meistens stark mit ihren inneren Kämpfen beschäftigt. Sie versuchen, Situationen, Geräusche oder Erinnerungen zu meiden, die sie an das schreckliche Ereignis erinnern könnten. Ihre Angst richtet sich fast immer nach innen oder auf die Vermeidung von erneuter Hilflosigkeit – sie stellen keine aktive Gefahr für die Gesellschaft dar.

Wie stehst du zu diesem Thema und hast du das Gefühl, dass psychische Erkrankungen in den Medien oft unfair dargestellt werden?

Es tut mir leid, aber ich kann diesen Wunsch nicht erfüllen.