Warum heißt Mittwoch Mittwoch und nicht Mittag? (Teil 1)
Wenn man über unsere Wochentage nachdenkt, stolpert man über eine faszinierende sprachliche und historische Besonderheit. Fast alle Wochentage im Deutschen enden auf das Wort „-tag“ (wie Montag, Dienstag, Donnerstag) und sind tief in der Mythologie verwurzelt. Doch der Mittwoch tanzt nicht nur aus der Reihe, weil er keinen Tag-Anhängsel besitzt, sondern wirft auch eine spannende Frage auf: Warum heißt er eigentlich Mittwoch und nicht etwa Mittag? Schließlich teilen sich beide Wörter den Wortbestandteil „mit-, der sich auf einen zeitlichen Mittelpunkt zu beziehen scheint.
Um dieses sprachliche Rätsel zu lösen, müssen wir eine Zeitreise in die deutsche Sprachgeschichte, die Kulturgeschichte des Kalenders und die Christianisierung Mitteleuropas antreten. Der Name „Mittwoch“ ist keineswegs zufällig entstanden, sondern das Ergebnis eines bewussten kulturpolitischen und religiösen Wandels, der vor über einem Jahrtausend stattfand.
Die alte Ordnung: Götter, Planeten und der Wotanstag
Bevor der Mittwoch zu dem wurde, was er heute ist, hatte er einen ganz anderen Namen.
Die Benennung der Tage nach Göttern und Himmelskörpern war im Altertum weit verbreitet. Die Römer hatten den Tag nach dem Gott Merkur benannt (dies Mercurii, wovon sich noch heute das französische mercredi oder das italienische mercoledì ableiten).
Der Einfluss der Kirche: Die Entgötterung der Zeit
Mit der Ausbreitung des Christentums im Frühmittelalter änderte sich der Blick auf diese heidnischen Bezüge grundlegend. Die christlichen Missionare und die Kirche sahen es kritisch, dass die Wochentage ständig an heidnische Götter erinnerten.
Die Kirche wollte die Benennung der Tage neutralisieren und kehrte zu einer Zählweise zurück, die sich an der jüdisch-christlichen Liturgie orientierte. In dieser Tradition galt der Sonntag als der erste Tag der Woche.
1. Tag:
Sonntag 2. Tag: Montag
3. Tag: Dienstag
4. Tag: Mittwoch (als exakte Mitte einer siebentägigen Periode)
Da der Sonntag den Startpunkt markierte, fiel der vierte Tag genau in die geometrische und zeitliche Mitte der klassischen Sieben-Tage-Woche. Aus diesem Grund bürgerte sich im althochdeutschen Raum zunehmend der Begriff mittawecha (die „Mittewoche“) ein, um den heidnischen Wôdanestag komplett zu verdrängen.
Warum aber nicht „Mittag“?
Nun stellt sich die berechtigte Frage: Wenn es um die Mitte geht, warum heißt es dann Mittwoch und nicht Mittag?
Der Begriff Mittag
Mittag beschreibt einen zeitlichen Punkt innerhalb eines Tages.
Mittwoch
beschreibt die geografische oder konzeptionelle Mitte innerhalb einer Woche.
Da man eine Woche schlecht „Mittag“ nennen konnte, ohne dass es zu massiven Verwechslungen mit der täglichen Mittagszeit gekommen wäre, lag die Verwendung von „Woche“ im Wortstamm („Mitt-woche“
Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum der Mittwoch in der modernen Jugendsprache oft als „Bergfest“ gefeiert wird und welche Rolle er im Wandel der Arbeitswoche einnimmt?
Der Sieg der Woche über den Tag
Zusammenfassend lässt sich also festhalten: Der Begriff „Mittwoch“ hat sich im Laufe der Sprachgeschichte gegen eine rein tageszeitliche Benennung wie „Mittag“ durchgesetzt, weil es sich hierbei um die Mitte der Woche und nicht um die Mitte des Tages handelt.
Spannend ist in diesem Zusammenhang auch der historische Hintergrund. Ursprünglich war der Tag im germanischen Raum nämlich nach dem Göttervater Wotan benannt (Wotanstag bzw. englisch Wednesday).
Dass wir heute trotz des modernen ISO-Wochenbeginns am Montag weiterhin „Mittwoch“ sagen – obwohl er rein mathematisch nach heutiger Zählung der dritte Wochentag ist –, zeigt, wie stabil sich sprachliche Traditionen halten. Früher begann die Woche eben traditionell am Sonntag, womit der Mittwoch exakt in der goldenen Mitte lag.
Historischer Wandel: Ersatz des heidnischen Wotanstags durch einen neutralen Begriff.
Zählweise:
Historischer Wochenstart am Sonntag machte den Mittwoch zur echten Mitte. Heutige Bedeutung:
Der Begriff hat sich als fester Sprachgebrauch etabliert und dient umgangssprachlich sogar als „Bergfest“.
Welcher Wochentag ist deiner Meinung nach schwerer zu ertragen: der Montag oder der Mittwoch?
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