Warum sagt man „o’clock“? Die faszinierende Geschichte hinter der englischen Zeitangabe (Teil 1)
Wenn wir im Englischen die volle Stunde ausdrücken wollen, greifen wir wie selbstverständlich zu einer kleinen Formel: It is three o’clock oder It is eight o’clock. Während das deutsche Wort „Uhr“ direkt auf das lateinische beziehungsweise griechische Ursprungswort für mechanische Zeitmesser zurückgeht, wirft das englische Pendant mit seinem scheinbar mysteriösen Apostroph seit Generationen Fragen auf. Was hat es eigentlich mit diesem kleinen „o“ vor dem Wort „clock“ auf sich?
Die kurze Antwort lautet: „O’clock“ ist eine historische Kurzform für den Ausdruck „of the clock“ (auf Deutsch: „der Uhr“ oder „von der Uhr“).
Vom Läuten zur mechanischen Zeit: Die sprachlichen Wurzeln
Um zu verstehen, warum die Menschen im spätmittelalterlichen England begannen, von „of the clock“ zu sprechen, müssen wir einen Blick auf die Etymologie des Wortes „clock“ werfen.
Das englische Wort clock leitet sich über das Mittelniederländische (clocke) und das Altfranzösische (cloque) von dem mittelalterlichen lateinischen Wort clocca ab, was schlicht „Glocke“ bedeutet.
Vor der Erfindung feiner Räderwerke und Zifferblätter wurden Zeiten primär durch das akustische Signal von Kirchen- oder Turmglocken verkündet. Wer wissen wollte, wie spät es war, horchte auf das offizielle Läuten.
Mit dem Aufkommen der ersten mechanischen Räderuhren im 14. Jahrhundert änderte sich die Situation grundlegend.
Der Wandel im Sprachgebrauch: Wie das „of the“ verschwand
Im Laufe der Jahrhunderte unterliegt jede lebendige Sprache dem Prinzip der Ökonomie – Sprecher neigen dazu, längere, repetitive Phrasen im Alltag zu verkürzen, solange die Bedeutung klar bleibt. Im Falle der Uhrzeit vollzog sich dieser Wandel über mehrere Zwischenschritte:
Die präzise Angabe: Ursprünglich hieß es in vollständigen Sätzen beispielsweise It is six of the clock.
Die Verkürzung im Fluss der Umgangssprache: Da die Redewendung im täglichen Miteinander unzählige Male wiederholt wurde, verschmolzen die Wörter zunehmend. Aus „of the“ wurde im schnellen Sprechen oft ein abgeschwächtes Schwa-Laut oder schlicht ein verkürztes „o’“.
Die Fixierung durch den Apostroph: Im 17. und 18. Jahrhundert etablierte sich im Englischen die Schreibweise mit Apostroph (o’clock), um anzuzeigen, dass hier Buchstaben absichtlich ausgelassen wurden – ähnlich wie bei anderen traditionellen Kontraktionen im Englischen.
Damit wurde aus einer langen grammatikalischen Orts- und Herkunftsbestimmung ein feststehendes Suffix für die volle Stunde, das bis heute fester Bestandteil jeder englischen Grammatikstunde ist.
Möchten Sie im nächsten Teil erfahren, wie sich dieser Ausdruck im Zuge der Industrialisierung weltweit verbreitete und welche Rolle die britische Seefahrt dabei spielte?
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