Immer öfter stolpert man im Netz über Pronomen in Profilen, und besonders „they/them“ sorgt oft für hochgezogene Augenbrauen. Dahinter verbirgt sich kein grammatikalischer Fehler, sondern eine bewusste Entscheidung für geschlechtsneutrale Ansprache. Wer diese englischen Pronomen verwendet, möchte weder klar als Mann noch als Frau eingeordnet werden. Dieser Sprachwandel krempelt gerade um, wie wir digital und im Alltag miteinander kommunizieren.

Der sprachliche und historische Hintergrund der geschlechtsneutralen Anrede

Dass „they“ im Singular verwendet wird, ist keineswegs eine moderne Erfindung der Internet-Generation. Tatsächlich lässt sich dieser Gebrauch im Englischen bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen. Schon Autorinnen wie Jane Austen griffen in ihren Romanen darauf zurück, wenn das Geschlecht einer Person unbekannt oder irrelevant war. Sprachwissenschaftler betonen, dass die englische Sprache schon immer pragmatisch funktionierte. Wenn wir heute sagen „Someone left their keys“, nutzen wir exakt dieses Prinzip. Neu ist lediglich, dass dieser historische Kniff nun gezielt von non-binären Menschen beansprucht wird, um ihre Identität im Raum zwischen den traditionellen Kategorien sprachlich abzubilden.

Wie die Nutzung im Alltag und im Netz konkret funktioniert

Die Anwendung im Deutschen erfordert anfangs etwas Übung, während sie im Englischen intuitiv gelingt. Im Englischen ersetzt „they/them“ die klassischen Paare he/him oder she/her. Man sagt beispielsweise: „Alex posted a new video, they look great.“ Im deutschen Sprachraum, wo es kein echtes Äquivalent gibt, nutzen viele entweder die englische Variante direkt, weichen auf Neopronomen aus oder entscheiden sich schlicht dafür, ganz ohne Pronomen angesprochen zu werden. Wer eine Biografie mit solchen Hinweisen versieht, setzt damit ein unmissverständliches Signal für Respekt. Es geht schlicht darum, den Gegenüber so anzusprechen, wie es der eigenen Identität entspricht, ganz ohne großes Drama.

Ein konkreter Blick in die Praxis anhand eines Social-Media-Profils

Nehmen wir das Profil von Sam, einem Grafikdesigner auf einer großen Plattform. Direkt unter dem Profilbild steht unübersehbar: *they/them*. Ein neuer Follower stolpert über das Portfolio und möchte Sam in den Kommentaren loben. Statt nun reflexartig zu überlegen, ob ein „er“ oder „sie“ angebracht ist, greift der Blick direkt zur Biografie. Der Kommentar lautet daraufhin: „Their work on this project is truly inspiring, I love what they did with the colors!“ Sam sieht das, fühlt sich gesehen und wertschätzend behandelt. Genau diese kleine Textzeile verhindert Missverständnisse und schafft sofort einen sicheren, offenen Raum für alle Beteiligten.

Was Experten dazu sagen

Soziologinnen und Sprachwissenschaftler betonen übereinstimmend, dass Sprache sich stetig wandelt und gesellschaftliche Realitäten abbildet. Die Verwendung von geschlechtsneutralen Fürwörtern wie they/them im Englischen oder entsprechenden Formen im Deutschen ist kein rein modischer Trend, sondern ein tiefgreifender Ausdruck von Inklusion und gegenseitigem Respekt. Experten erklären, dass die bewusste Nennung von Pronomen im Profil dazu beiträgt, ein sicheres und offenes Umfeld zu schaffen – insbesondere für nicht-binäre und trans Menschen, die im Alltag häufig mit Missverständnissen oder Ausgrenzung konfrontiert werden.

Kommunikationsforscher weisen zudem darauf hin, dass diese Praxis längst über den akademischen oder rein queeren Kreis hinausgeht. Auch in global agierenden Unternehmen, Bildungseinrichtungen und im Recruiting gehört die Angabe von Pronomen immer öfter zum professionellen Standard. Sie dient als unkompliziertes Signal der Weltoffenheit und verhindert Fettnäpfchen im ersten Kontakt. Letztlich zeigt die wissenschaftliche Perspektive: Sprache gehört allen, und ihre Anpassung an neue Bedürfnisse ist ein Zeichen gesellschaftlicher Reife.

Häufig gestellte Fragen

Muss ich meine Pronomen in der Bio angeben, auch wenn ich cisgender bin?

Nein, das ist absolut freiwillig. Niemand ist gezwungen, Pronomen im Profil zu teilen. Viele cisgender Menschen tun es jedoch bewusst, um Solidarität zu zeigen und das Thema zu normalisieren. Wenn alle – unabhängig von ihrer Geschlechtsidentität – ihre Pronomen nennen, wird verhindert, dass sich trans oder nicht-binäre Personen durch die Angabe erst outen müssen oder ins Rampenlicht geraten.

Was passiert, wenn ich aus Versehen die falschen Pronomen verwende?

Fehler passieren jedem mal, vor allem wenn man noch ungeübt ist. Das Wichtigste in dieser Situation ist, sich kurz und ehrlich zu entschuldigen, das richtige Pronomen zu verwenden und ohne großes Drama fortzufahren. Ein übertriebenes Rechtfertigen setzt die betroffene Person oft nur unnötig unter Druck. Ein kurzes "Entschuldigung, ich meinte natürlich they" reicht völlig aus.

Wie wird sich unser Verständnis von geschlechtsspezifischer Sprache in den sozialen Medien in den nächsten fünf Jahren verändern?