Die Antwort ist denkbar simpel, auch wenn sie manchem Sprachästheten ein leises Seufzen abringt: Die korrekte Mehrzahl von Pulli lautet Pullis. Wer also mehrere dieser kuscheligen Kleidungsstücke im Schrank stapelt, spricht von den Pullis. Diese Pluralbildung folgt der ganz klassischen Logik der deutschen Grammatik für maskuline Substantive, die auf einen Vokal enden. Es gibt hierbei keinerlei orthografische Fallstricke, kein stummes E und erst recht kein apostrophiertes S, wie man es fälschlicherweise manchmal sieht.

Der etymologische Streifzug: Vom englischen Verb zum deutschen Kuschelklassiker

Um zu verstehen, warum uns dieses kleine Wort linguistisch überhaupt beschäftigt, müssen wir das Rad der Zeit ein Stück zurückdrehen. Der Pulli ist schließlich kein Urgestein der germanischen Sprachentwicklung, sondern ein waschechter Import. Er leitet sich als Kurzwort vom Substantiv Pullover ab. Dieses wiederum entspringt dem englischen Ausdruck "to pull over", was wortwörtlich übersetzt nichts anderes bedeutet als "überziehen" oder "darüberziehen". Im frühen 20. Jahrhundert fand das Kleidungsstück seinen Weg in den deutschen Sprachschatz, zunächst als Begriff für Sportbekleidung, die man nach dem schweißtreibenden Training rasch überstreifte, um sich vor der herannahenden Erkältung zu schützen.

Die deutsche Sprache besitzt die wunderbare, fast schon anarchische Eigenschaft, sperrige Fremdwörter im Alltag radikal zu beschneiden. Aus dem dreisilbigen Pullover wurde im Zuge dieser sprachlichen Ökonomie der zweisilbige, weitaus familiärere Pulli. Diese Deminutivierung oder Verniedlichung durch das Suffix "-i" ist ein gängiges Phänomen der Umgangssprache. Denken wir nur an den Akku (Akkumulator) oder den Studi (Student). Sobald ein Wort jedoch diese Transformation durchlaufen hat, muss es sich den hiesigen Deklinationsregeln beugen. Da das Wort nun auf ein "i" endet, greift im Deutschen automatisch die Pluralendung mit dem Suffix "-s". Ein alternatives "Pullien" oder gar ein unverändertes "zwei Pulli" ist im Hochdeutschen schlichtweg non-existent und grammatikalisch falsch.

Die Krux mit den Fremdwörtern: Pluralbildung unter der Lupe

Warum geraten wir geradewegs ins Straucheln, wenn wir vor dem Plural solcher Alltagswörter stehen? Die Ursache liegt in der systemischen Reibung zwischen Herkunftssprache und Zielsprache. Das Deutsche ist berüchtigt für seine Vielfalt an Pluralendungen – wir nutzen "-e", "-en", "-er", "-n" oder verändern den Stammvokal durch einen Umlaut. Das Suffix "-s" hingegen war historically gesehen im Deutschen eher ein Exot, reserviert für ganz bestimmte grammatikalische Nischen.

Durch den massiven Einstrom von Anglizismen und die Etablierung der erwähnten Kurzwörter hat sich das "-s" jedoch zu einem bärenstarken Pluralmarker für Wörter entwickelt, die auf unbetonte Vokale (außer Schwa) enden. Treffen wir auf Wörter wie Auto, Kilo oder eben Pulli, verlangt unser inneres Sprachgefühl intuitiv nach dem "s". Dennoch bleibt eine Restunsicherheit, weil der Purismus in uns nach einer komplexeren Regel sucht. Wir wittern eine Falle, wo gar keine existiert. Diese Unsicherheit füttert den linguistischen Zweifel. Wer im Eifer des Gefechts "die Pulli" als Mehrzahl nutzt, verwechselt die Dynamik mit Nullpluralen wie "die Wagen" oder "die Messer", die auf "-er" oder "-el" enden. Beim Pulli ist die Sache jedoch glasklar und unmissverständlich.

Sprachliche Zweifelsfälle im Alltag: Zwischen Duden und Küchentisch

Die Diskrepanz zwischen der kodifizierten Schriftsprache und dem lebendigen Dialekt beziehungsweise Soziolekt sorgt regelmäßig für hitzige Debatten am Frühstückstisch. Während der Duden unumstößlich "die Pullis" diktiert, offenbart der Blick in regionale Sprachlandschaften eine faszinierende Varianz. Im süddeutschen Raum oder in Teilen Österreichs hört man gar nicht so selten Sätze wie: "Ich habe mir zwei neue Pulli gekauft." Hier wird das Wort synkretistisch behandelt, der Plural verschmilzt lautlich mit dem Singular, oft gestützt durch den Kontext eines Zahlwortes.

Aus pragmatischer Sicht versteht jeder Sprecher, was gemeint ist, doch die Schriftsprache kennt an dieser Stelle kein Pardon. Wer einen formellen Text verfasst, einen Modeblog betreibt oder im textilen Einzelhandel professionell kommuniziert, muss zwingend zur Variante mit dem "s" greifen. Das Ignorieren dieser Norm wird im geschäftlichen Kontext schnell als mangelnde Sprachkompetenz ausgelegt. Es lohnt sich daher, die Leichtigkeit der mündlichen Umgangssprache im privaten Raum zu belassen und im offiziellen Rahmen auf der orthografisch sicheren Seite zu stehen. Der Spagat zwischen gelebtem Alltag und starrer Normierung zeigt par excellence, dass Sprache ein dynamischer Organismus bleibt, der sich ständig wandelt.