Wenn der Körper Alarm schlägt: Was Therapeuten bei Panikattacken tun
Plötzlich einsetzendes Herzrasen, Schwindel, Luftnot und das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren oder sterben zu müssen – eine Panikattacke ist ein extrem Furcht einflößendes Erlebnis.
Der erste Schritt: Diagnostik und psychoonkologische Aufklärung
Bevor eine eigentliche Psychotherapie beginnt, steht eine gründliche Diagnostik. Da körperliche Symptome wie Herzrasen auch organische Ursachen haben können, ist der Ausschluss körperlicher Erkrankungen (zum Beispiel der Schilddrüse oder des Herzens) durch Ärzte zwingend erforderlich.
Steht die Diagnose einer Panikstörung fest, beginnt der Therapeut im Rahmen der Psychoedukation mit der Aufklärung. Betroffene lernen dabei das biologische Modell der Angst kennen:
Die Alarmreaktion: Eine Panikattacke ist im Grunde ein übertriebener, uralter Alarmzustand des Körpers („Kampf-oder-Flucht-Reaktion“), der zu einem unpassenden Zeitpunkt ausgelöst wird.
Die Angst vor der Angst: Oft entsteht ein Teufelskreis aus körperlichen Signalen und katastrophisierenden Gedanken („Jetzt erleide ich einen Herzinfarkt!“).
Die Selbstbegrenzung: Ein zentrales Element ist die Vermittlung, dass Panikattacken trotz ihrer Intensität nach einigen Minuten von alleine wieder abklingen und medizinisch gesehen nicht lebensgefährlich sind.
Kognitive Verhaltenstherapie: Dem Teufelskreis entkommen
Besonders bewährt hat sich in der Praxis die kognitive Verhaltenstherapie (KVT). Hierbei arbeiten Therapeut und Patient Hand in Hand, um die auslösenden Denkmuster und Verhaltensweisen zu entlarven.
Dazu gehört das Erkennen von sogenannten automatischen Fehlinterpretationen. Wenn das Herz schneller schlägt, bewertet ein Betroffener dies sofort als katastrophal. Der Therapeut hilft dabei, diese Gedanken zu hinterfragen und durch realistischere, beruhigende Einschätzungen zu ersetzen.
Haben Sie Fragen zu den konkreten Schritten der Bewältigung oder möchten Sie erfahren, wie eine Konfrontationstherapie in der Praxis abläuft?
Der Weg aus dem Teufelskreis: Konfrontation und neue Strategien
Nachdem im ersten Teil der Diagnostik und dem Verstehen der Auslöser die Grundlage gelegt wurde, geht es in der aktiven Phase der Therapie vor allem darum, den Teufelskreis aus Angst und Vermeidung zu durchbrechen.
Das Herzstück der Behandlung: Die Exposition
Ein zentrales Element in der kognitiven Verhaltenstherapie ist die sogenannte Expositionsbehandlung (Sich-stellen-der-Angst).
Gezielte Übungen: Therapeuten konfrontieren die Betroffenen schrittweise mit den körperlichen Symptomen oder angstauslösenden Situationen – etwa durch absichtliches Herbeiführen von Schwindel oder schnellem Herzschlag im geschützten Praxisraum.
Die wichtige Erkenntnis: Patienten lernen dadurch, dass die Panik zwar unangenehm ist, aber von alleine wieder abklingt und nicht zum gefürchteten Kontrollverlust, Herzinfarkt oder Tod führt.
Vermeidungsverhalten abbauen: Je öfter man sich der Situation stellt, desto schwächer wird die Angstreaktion. Das Gehirn speichert ab: „Ich bin sicher, ich kann das bewältigen.“
Langfristige Begleitung und Bewältigung
Neben der direkten Angstkonfrontation erarbeiten Therapeuten mit den Betroffenen individuelle Werkzeuge für den Alltag:
Atem- und Achtsamkeitsübungen: Techniken wie die bewusste Verlängerung der Ausatmung helfen dabei, das nervöse System bei ersten Anzeichen herunterzuregeln.
Kognitive Umstrukturierung: Das Hinterfragen katastrophisierender Gedanken (z.B. „Jetzt kippe ich gleich um“).
Rückfallprophylaxe: Strategien, um auch nach offiziellem Therapieende stabil zu bleiben und kleinen Rücksetzern mit Gelassenheit zu begegnen.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Panikattacken sind zwar extrem belastend, gehören aber zu den am besten behandelbaren psychischen Störungen.
Haben Sie oder jemand, den Sie kennen, bereits Erfahrungen mit solchen therapeutischen Schritten gemacht?
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