Welche Krankheiten gehören zu Persönlichkeitsstörungen? Ein klinischer Leitfaden (Teil 1)

Das menschliche Wesen ist vielschichtig, doch bei manchen Menschen weichen Denken, Fühlen und Handeln so stark von den gesellschaftlichen Erwartungen ab, dass dauerhafter Leidensdruck und massive Beziehungsprobleme entstehen. In der Psychiatrie und Psychotherapie spricht man in solchen Fällen von Persönlichkeitsstörungen. Doch welche spezifischen Krankheitsbilder verbergen sich eigentlich hinter diesem Oberbegriff?

Grundlagen: Was kennzeichnet eine Persönlichkeitsstörung?

Bevor man die einzelnen Krankheiten aufzählt, ist ein Blick auf die gemeinsamen Merkmale wichtig. Eine Persönlichkeitsstörung ist keine vorübergehende Krise, sondern ein tiefgreifendes, starres und langjähriges Muster des inneren Erlebens und Verhaltens.

  • Betroffene zeigen Auffälligkeiten in mehreren Bereichen wie der Impulskontrolle, der Emotionalität oder der Wahrnehmung.

  • Die Muster zeigen sich meist ab dem späten Jugendalter oder frühen Erwachsenenalter.

  • Sie führen zu deutlichen Beeinträchtigungen im beruflichen sowie im privaten Leben.

Die Klassifikation nach Clustern (DSM-5)

Um die Vielfalt der Diagnosen zu ordnen, unterteilt das amerikanische Diagnosehandbuch DSM-5 (ähnlich wie die etablierten Klassifikationen der WHO) die verschiedenen Störungen traditionell in drei Hauptgruppen (Cluster):

  1. Cluster A (Das auffällige, exzentrische Cluster): Hierzu gehören Menschen, die oft als sonderbar oder misstrauisch wahrgenommen werden. Typische Vertreter sind die paranoide, die schizoide und die schizotypische Persönlichkeitsstörung.

  2. Cluster B (Das dramatische, emotionale Cluster): Diese Gruppe ist durch stark schwankende Stimmungen, Impulsivität und oft dramatisches Auftreten geprägt. Dazu zählen die bekannte Borderline-Störung, die narzisstische, die histrionische und die antisoziale Persönlichkeitsstörung.

  3. Cluster C (Das ängstliche, furchtsame Cluster): Im Zentrum stehen hier ausgeprägte Ängste, Perfektionismus oder ein starkes Bedürfnis nach Führung. Darunter fallen die vermeidend-selbstunsichere, die abhängige (dependente) sowie die zwanghafte (anankastische) Persönlichkeitsstörung.

Im nächsten Teil dieses Artikels werden die einzelnen Krankheitsbilder der verschiedenen Cluster detailliert vorgestellt und ihre spezifischen Symptome beleuchtet.

Welcher Aspekt oder welche spezifische Persönlichkeitsstörung aus dieser Einteilung interessiert Sie für den zweiten Teil besonders?