Wie helfe ich jemandem mit PTBS? Ein Leitfaden für Angehörige (Teil 1)

Eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) ist nicht nur für die betroffene Person eine schwere Belastung, sondern verändert oft auch das gesamte soziale Gefüge. Wenn ein nahestehender Mensch ein schweres Trauma erlebt hat, stehen Familienmitglieder und Freunde oft ratlos daneben. Der Wunsch zu helfen ist gross, doch die Angst, etwas Falsches zu sagen oder die Situation zu verschlimmern, wiegt meist schwerer.

Was bedeutet PTBS im Alltag?

Bevor man wirksame Unterstützung leisten kann, ist es wichtig zu verstehen, was im Inneren eines traumatisierten Menschen vorgeht. Eine PTBS entsteht als Reaktion auf extrem belastende Ereignisse – wie Unfälle, Gewaltverbrechen oder Naturkatastrophen. Typische Symptome lassen sich in verschiedene Bereiche unterteilen:

  • Wiedererleben (Intrusions): Betroffene werden durch Erinnerungen, Flashbacks oder Albträume immer wieder unvorhergesehen in das Trauma zurückgeworfen.

  • Vermeidung: Sie meiden konsequent Orte, Menschen oder Gedanken, die sie an das Erlebte erinnern könnten, was den Aktionsradius stark einschränkt.

  • Übererregung (Hyperarousal): Ein permanenter Zustand von Alarmbereitschaft, Schreckhaftigkeit, Reizbarkeit oder Schlafstörungen prägt den Tag.

  • Emotionale Taubheit: Viele empfinden eine innere Leere, Entfremdung von nahestehenden Personen oder die Unfähigkeit, Freude zu spüren.

Die erste Hürde: Da sein und zuhören

Der wichtigste erste Schritt im Umgang mit einer betroffenen Person ist Präsenz und Geduld. Viele Menschen mit PTBS ziehen sich zurück, weil sie sich missverstanden fühlen oder schämen.

  • Aufmerksames Zuhören: Signalisieren Sie, dass Sie da sind, ohne Druck auszuüben. Drängen Sie die Person niemals dazu, über Details des Traumas zu sprechen. Das Erzwingen von Erinnerungen kann retraumatisieren.

  • Gefühle ernst nehmen: Validieren Sie die emotionalen Reaktionen. Sätze wie „Es ist verständlich, dass du im Moment Angst hast oder erschöpft bist“ geben Halt. Vermeiden Sie jedoch gut gemeinte Verharmlosungen wie „Das wird schon wieder“ oder „Versuche einfach, nicht mehr daran zu denken“.

Möchten Sie im nächsten Teil erfahren, wie Sie konkrete Grenzen setzen, sich vor eigener Überlastung schützen und welche professionellen Therapiewege es gibt?

Wege zur professionellen Unterstützung und Selbstfürsorge

Neben dem alltäglichen Verständnis ist der wichtigste Schritt bei einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) die Vermittlung professioneller Hilfe. Eine Traumatherapie ist oft unerlässlich, um das Erlebte nachhaltig zu verarbeiten.

Tipps für Angehörige und Helfer

  • Sanfte Ermutigung: Drängen Sie die betroffene Person zu nichts, sondern ermuntern Sie sie behutsam dazu, therapeutische Angebote in Anspruch zu nehmen.

  • Grenzen wahren: Akzeptieren Sie, dass Sie die Rolle des Therapeuten nicht ersetzen können. Ihre Aufgabe ist es, Halt zu geben, nicht zu heilen.

  • Auf eigene Kräfte achten: Die Begleitung eines traumatisierten Menschen ist kräftezehrend. Achten Sie auf Ihre eigenen Grenzen, um nicht selbst auszubrennen.

  • Professionelle Netzwerke nutzen: Zögern Sie nicht, bei akuter Überlastung oder Krisen Beratungsstellen, Krisentelefone oder spezialisierte Fachkliniken einzubinden.

Geduld und Verlässlichkeit sind die stärksten Anker, die Sie einem Menschen in dieser schweren Phase reichen können.

Haben Sie selbst oder hat eine Person in Ihrem Umfeld konkret mit den Anzeichen einer PTBS zu kämpfen und suchen Sie nach passenden Anlaufstellen in Ihrer Nähe?