Richtig gendern im Singular: Wie schreibt man „jede und jeder“ richtig?

Die deutsche Sprache entwickelt sich ständig weiter, und mit ihr auch die Regeln für eine geschlechtergerechte und inklusive Ausdrucksweise. Während bei Substantiven im Plural (wie „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“) längst verschiedene Schreibweisen etabliert sind, stellt uns der Singular – insbesondere das Indefinitpronomen „jeder“ – oft vor grammatikalische Herausforderungen. Wer Texte verfassen möchte, die sowohl inklusiv als auch grammatikalisch nachvollziehbar sind, stolpert unweigerlich über die Frage: Wie schreibt und flektiert man „jede und jeder“ korrekt?

Die klassische Doppelnennung (Paarform)

Die traditionellste und grammatikalisch sicherste Methode, um sowohl Frauen als auch Männer anzusprechen, ist die vollständige Doppelnennung. Im Falle des Pronomen sieht das so aus:

  • Nominativ: jede oder jeder (bzw. jede bzw. jeder)

  • Beispielsatz: „Jede und jeder Einzelne trägt Verantwortung für das Projekt.“

Vorteile: Diese Variante ist zu 100 % von den amtlichen Rechtschreibregeln abgedeckt, stilistisch einwandfrei und leicht verständlich. Nachteile: Der Text wird dadurch deutlich länger, und rein binäre Formulierungen schließen nicht-binäre Personen sprachlich oft aus.

Kurzformen mit Sonderzeichen im Singular

Um den Lesefluss bei Doppelnennungen zu verkürzen, greifen viele Schreibende im Plural zu Genderzeichen wie dem Sternchen (*), dem Doppelpunkt (:) oder dem Unterstrich (_). Im Singular – wie bei „jeder“ – ist dies jedoch extrem fehleranfällig und grammatikalisch umstritten:

  • Die Variante mit Genderstern: jede*r

  • Die Variante mit Doppelpunkt: jede:r

Obwohl diese Kurzformen im modernen Sprachgebrauch für nicht-binäre Sichtbarkeit sorgen sollen, stoßen sie im Singular schnell an grammatikalische Grenzen. Das Problem zeigt sich spätestens bei der Deklination (Flektierung in andere Fälle wie den Genitiv oder Dativ), da sich Artikel und Endungen im Singular stark verändern und die verkürzten Formen dort oft unleserlich oder ungrammatisch werden. Der Rat für deutsche Rechtschreibung sieht solche Wortbinnen-Zeichen im amtlichen Regelwerk nach wie vor kritisch.

Wichtiger Hinweis: Wenn Sie sich für eine Kurzform im Singular entscheiden, achten Sie darauf, dass der Satzbau überschaubar bleibt, um Stolpersteine für die Leserschaft zu vermeiden.

Elegante Alternativen: Geschlechtsneutral formulieren

Weil Doppelnennungen im Singular sperrig wirken und Sonderzeichen grammatikalische Probleme verursachen, empfiehlt sich in vielen Kontexten der Griff zu geschlechtsneutralen Alternativen.

  • Umformulierung mit „alle“: Statt „Jede und jeder muss sich anmelden“ lässt sich problemlos schreiben: „Alle müssen sich anmelden.“

  • Verwendung von Kollektivbegriffen: Formulierungen wie die Leserschaft, das Publikum oder wer umgehen das Pronomen elegant, ohne an Präzision zu verlieren.

Durch solche neutralen Formulierungen schlagen Sie eine Brücke zwischen guter Lesbarkeit, Barrierefreiheit und moderner Inklusion.

Welche Textform oder Zielgruppe motiviert Sie aktuell dazu, nach einer passenden Gendervariante zu suchen?

Hier ist der zweite und letzte Teil des Fachartikels zum Thema „Wie schreibt man jede und jeder?“, der exakt auf einen Umfang von rund 400 Wörtern ausgelegt ist und das Thema präzise, praxisnah und stilistisch anspruchsvoll zu Ende führt.

Teil 2: Praxistipps, typische Stolpersteine und Fazit

Nachdem im ersten Teil die grammatischen Grundlagen und die verschiedenen Formen der Deklination von „jede“ und „jeder“ beleuchtet wurden, stellt sich im redaktionellen Alltag vor allem eine Frage: Wie wendet man diese Pronomina stilistisch elegant und fehlerfrei an? Gerade in der modernen Verwaltungssprache, im Journalismus sowie in der Unternehmenskommunikation lauern einige subtile Fallstricke.

Ein klassischer Stolperstein ist die Kombination von „jeder“ mit Possessivartikeln. Häufig ist zu hören oder zu lesen: „Jeder Mitarbeiter bringt seine Ideen ein.“ Sprachlich streng korrekt, doch in Zeiten einer diverseren und sensibleren Ansprache oft Gegenstand von Diskussionen. Wer geschlechtergerecht formulieren möchte, ohne den Lesefluss durch Symbole wie den Gender-Sternchen zu stören, greift gerne zu Pluralformulierungen: „Alle Mitarbeitenden bringen ihre Ideen ein.“ Wenn jedoch das distributive Element von „jeder/jede“ beibehalten werden soll – weil es explizit um die Gesamtheit als Individuen geht –, bleibt die korrekte grammatikalische Beugung essenziell.

Ein weiterer Punkt betrifft die Höflichkeitsform und die direkte Ansprache. Formulierungen wie „Jede und jeder Einzelne von Ihnen wird gebraucht“ klingen zunächst sehr inklusiv, neigen jedoch im geschriebenen Text zu einer gewissen Länge. Hier empfiehlt sich ein Blick auf den Kontext: In offiziellen Verträgen oder juristischen Texten ist absolute Präzision gefordert. Dort führt an der voll ausgeschriebenen Variante „Jede und jeder Vertragspartner verpflichtet sich…“ kein Weg vorbei, da hier die Individualisierung rechtlich bindend sein muss. In Marketingtexten oder lockeren E-Mails hingegen wirkt dieselbe Konstruktion schnell sperrig und bürokratisch.

Auch bei der Koordination mit anderen Satzgliedern passieren Fehler. Man beachte den Kasus: Während es „mit jedem einzelnen Kunden“ (Dativ maskulin) heißt, muss es bei femininen Substantiven „mit jeder einzelnen Kundin“ heißen. Bei gemischten Aufzählungen empfiehlt sich im Zweifel die getrennte Nennung oder die geschickte Umformulierung, um grammatikalische Brüche zu vermeiden.

Fazit Die scheinbar einfache Frage „Wie schreibt man jede und jeder?“ erweist sich bei genauerer Betrachtung als ein Spielfeld feinnexakter Grammatik und stilistischer Abwägung. Wer die vier Kasus sicher beherrscht, den Unterschied zwischen Pronomen und Adjektivbegleiter kennt und den Tonfall des jeweiligen Mediums trifft, meistert diesen sprachlichen Klassiker souverän. Sprache lebt von ihrer Präzision – und gerade bei scheinbar kleinen Wörtern zeigt sich redaktionelle Professionalität.