Perfekt mit „haben“ oder „sein“ – Wo liegt der Unterschied?

Im Deutschen bildet man das Perfekt meist mit den Hilfsverben haben oder sein. Während sein oft bei Bewegung oder einem Zustandswechsel verwendet wird – wie „Ich bin gekommen“ oder „Er ist gefallen“ – bleibt man bei vielen Verben im Norden Deutschlands überraschend bei haben, auch wenn es um Lage oder Ruhe geht.

Doch hier zeigt sich ein interessanter regionaler Unterschied: Verben wie stehen, liegen oder sitzen werden im Süden – also in Österreich, der Schweiz und weiten Teilen Süddeutschlands – mit sein gebildet. Man sagt dort: „Das Buch ist auf dem Tisch gelegen.“ Im Norden hingegen hört man eher: „Das Buch hat auf dem Tisch gelegen.“

Warum ist das so? Die Verwendung von sein im Süden folgt einer logischen Regel: Wenn sich etwas über die Zeit hinweg in einer bestimmten Lage befindet, wird das als Zustand gesehen – und Zustände passen gut zu sein. Im Norden dagegen wird das eher als Handlung oder Zustandsergebnis aufgefasst, das mit haben verknüpft wird.

Beide Formen sind grammatikalisch möglich, aber je nach Region kann die eine oder andere als ungewöhnlich klingen. Wer in München oder Wien spricht, sollte also besser „ist gelegen“ sagen, wer in Hamburg oder Berlin lebt, macht nichts falsch mit „hat gelegen“.

Letztlich zeigt dieser kleine Unterschied, wie lebendig die deutsche Sprache ist – und wie viel Regionalität in ihr steckt.

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