Wo spricht man das reinste Hochdeutsch?

Wenn es um die Frage geht, in welcher Region Deutschlands das klarste und akzentfreiste Deutsch gesprochen wird, fällt fast augenblicklich ein Name: Hannover. Dieser Mythos hält sich seit Generationen hartnäckig im Volksmund wie auch in der Sprachkultur.

Bereits im Jahr 1920 ließ der Philosoph Theodor Lessing eine Figur in einer Satire erklären, Hannover sei der Ort, „wo der deutsche Laut am reinsten und richtigsten gesprochen wird“. Aus diesem Grund galt die niedersächsische Landeshauptstadt lange Zeit als erste Adresse für lernbegierige Sprachschüler aus aller Welt.

Linguistisch betrachtet steckt hinter diesem Ruf eine faszinierende historische Entwicklung: Ursprünglich war im Norden Deutschlands das Niederdeutsche beheimatet. Als das Hochdeutsch als Schriftsprache Einzug hielt, übernahmen die Menschen vor Ort die neue Sprache wie eine Fremdsprache. Sie orientierten sich dabei streng am geschriebenen Wort. Durch dieses konsequente Sprechen nach Schriftbild etablierte sich eine Aussprache, die der standardisierten Hochsprache besonders nahekommt.

Auch wenn Sprachwissenschaftler heute betonen, dass es ein absolut perfektes Hochdeutsch nirgendwo gibt und selbst in Hannover kleine regionale Färbungen existieren, bleibt die Stadt das sprichwörtliche Musterbeispiel für klares Deutsch.

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