Sollte man Rotz essen?

Es klingt vielleicht eklig, doch laut Aussagen des österreichischen Lungenfacharztes Friedrich Bischinger könnte das eigene Nasensekret durchaus gesund sein – vor allem, wenn es getrocknet ist. Schon 2021 sorgten seine Aussagen für Aufsehen: Bischinger vertrat die Ansicht, dass das Verzehren von eingetrocknetem Nasensekret eine natürliche und durchaus sinnvolle Methode sein könnte, das Immunsystem zu trainieren.

Die Idee dahinter: Im Sekret befinden sich Bakterien, Viren und Schmutzpartikel, die über die Atemwege in den Körper gelangen. Indem man diese Stoffe erneut aufnimmt – etwa über den Mund –, könnte das Immunsystem gezielt "trainiert" werden. Bischinger spricht von einer Art natürlicher Impfung, die vor allem bei Kindern, die ohnehin häufig an der Nase spielen, eine schützende Wirkung entfalten könnte.

Obwohl diese Theorie bis heute nicht allgemein anerkannt ist, gibt es durchaus Ansätze in der Forschung, die darauf hindeuten, dass frühe Exposition gegenüber Keimen das Immunsystem stärken kann – bekannt als die sogenannte „Hygiene-Hypothese“. Demnach könnten übertriegene Sauberkeit und Schutz vor Keimen im Kindesalter sogar zu einer erhöhten Anfälligkeit für Allergien führen.

Trotzdem: Dass Nasenspuren zu essen gesund ist, bleibt eine kontroverse Ansicht. Medizinisch ist es weder schädlich noch besonders empfehlenswert – solange es niemandem auffällt und niemand verletzt wird. Die Natur hat ihre eigenen Wege, mit Krankheitserregern umzugehen, und vielleicht ist manches, das uns eklig vorkommt, letztlich nur ein Zeichen dafür, wie sehr unser Körper auf das Leben in einer Welt voller Mikroben eingestellt ist.

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