Kann man „stumm“ steigern?

Die Frage, ob man das Adjektiv stumm steigern kann, ist mehr als nur eine grammatische Kuriosität – sie berührt die Feinheiten der deutschen Sprache. Tatsächlich lautet der Komparativ von „stumm“: stummer, der Superlativ: am stummsten. Das mag auf den ersten Blick absurd erscheinen – wie soll jemand „stummer“ sein als ein anderer, wenn Stille doch absolute Abwesenheit von Laut ist?

Trotzdem ist die Steigerung im übertragenen Sinn durchaus gebräuchlich. Im Alltag verwenden wir sie beispielsweise ironisch oder bildhaft: „Er war beim Meeting so stumm wie immer, aber sein Kollege war noch stummer – hat nicht mal genickt.“ Hier geht es nicht um physische Lautlosigkeit, sondern um das Verhalten, sich nicht zu beteiligen, nicht zu kommunizieren.

Im eigentlichen Sinn bedeutet „stumm“ [1] die Unfähigkeit, Laute von sich zu geben, etwa aus medizinischen Gründen, oder [2] bewusste Sprachlosigkeit, etwa aus Schüchternheit oder Protest. In beiden Fällen bleibt die Bedeutung klar: kein Sprechen, keine Stimme.

Die Steigerung wirkt also zunächst widersprüchlich, funktioniert aber sprachlich einwandfrei. Die deutsche Sprache erlaubt solche Nuancen – sie lebt von ihnen. „Stummer“ zu sein, heißt dann nicht, weniger laut zu sein als sonst, sondern sich noch zurückhaltender, noch unsichtbarer zu verhalten. Es ist eine Steigerung der Haltung, nicht des Körpers.

Also ja: Man kann „stumm“ steigern – und das sogar auf mehreren Ebenen.

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