Wenn Worte für Gefühle fehlen

„Ich weiß nicht, was ich fühle“ – diesen Satz hören Psychologen oft von Menschen, die emotional wie abgestumpft wirken. Hinter solchen Schwierigkeiten kann eine sogenannte Alexithymie stecken. Der Begriff kommt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich „keine Worte für Gefühle“.

Betroffene spüren, dass etwas in ihnen vorgeht – eine Unruhe, ein Druck, eine Verstimmung –, können es aber nicht benennen. Ist es Traurigkeit? Ärger? Angst? Oft bleibt das unklar. Wie Prof. Hans Jörgen Grabe von der Uniklinik Greifswald erklärt, erleben diese Menschen: „Da geht irgendetwas in mir vor“, ohne dass sie sagen können, was genau.

Alexithymie ist keine psychische Erkrankung im engeren Sinne, sondern eine Persönlichkeitsmerkmal, das bei manchen stärker ausgeprägt ist als bei anderen. Sie kann mit Depressionen, Angststörungen oder körperlichen Beschwerden zusammenhängen, weil unverarbeitete Emotionen auf andere Weise zum Ausdruck kommen – etwa durch Schlafstörungen oder chronische Schmerzen.

Die gute Nachricht: Auch wenn es schwerfällt, kann man lernen, Gefühle wahrzunehmen und in Worte zu fassen. In der Therapie wird oft an der emotionalen Selbstwahrnehmung gearbeitet – durch Journaling, Achtsamkeitsübungen oder Gespräche, die gezielt auf das Benennen von Empfindungen abzielen.

Es braucht Geduld, aber viele berichten: Irgendwann finden sie plötzlich das passende Wort – und mit ihm ein Gefühl von Klarheit, das lange gefehlt hat.

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