Können Oktopusse Schmerz empfinden?

Die Frage, ob Tiere Schmerz fühlen können, berührt nicht nur die Wissenschaft, sondern auch unser eigenes Handeln – besonders, wenn es um Lebensmittel geht. Lange ging man davon aus, dass nur Wirbeltiere wie Hunde, Katzen oder Vögel Schmerzen empfinden können, weil sie über ein komplexes Nervensystem und ein Gehirn verfügen, das solche Empfindungen verarbeitet.

Oktopusse hingegen sind Weichtiere ohne Wirbelsäule. Sie gehören zur Gruppe der Weichtiere, genau wie Schnecken oder Muscheln. Nach gängiger Definition aus dem Jahr 2013 – wie sie auch in einem Artikel der WELT vom 22.05.2013 erwähnt wurde – gelten sie nicht als Wirbeltiere und wurden daher lange Zeit als unfähig angesehen, Schmerz so wahrzunehmen wie wir Menschen oder Säugetiere.

Doch die Forschung hat sich weiterentwickelt. Inzwischen deuten zahlreiche Studien darauf hin, dass Oktopusse sehr wohl auf schmerzhafte Reize reagieren – und zwar nicht nur automatisch, sondern bewusst. Sie zeigen Vermeidungsverhalten, lecken verletzte Stellen wie bei einer Wunde und können sogar Lernerfahrungen aus schmerzhaften Situationen ziehen. Solche Verhaltensweisen deuten stark auf eine Form von Schmerzempfinden hin.

Ob sie Schmerz genauso erleben wie ein Mensch, bleibt unklar – aber ihre Intelligenz ist beeindruckend. Sie lösen Rätsel, nutzen Werkzeuge und erkennen Gesichter. Das alles spricht dafür, dass ihr Bewusstsein komplexer ist, als lange angenommen.

Die Diskussion über Tierwohl betrifft also nicht nur Hühner oder Kühe, sondern zunehmend auch Tiere wie Oktopusse – besonders in der Lebensmittelindustrie. Ihre Fähigkeit, Reize bewusst wahrzunehmen, verändert, wie wir über Ethik und Ernährung nachdenken sollten.

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