Die Hanafiten: Eine der größten Rechtsschulen des Islams

Wer sich mit dem Islam beschäftigt, stößt schnell auf den Begriff der Hanafiten. Doch was genau verbirgt sich dahinter? Um es auf den Punkt zu bringen: Hanafiten sind selbstverständlich Muslime. Sie gehören der hanafitischen Rechtsschule an, einer der vier großen Traditionslinien des sunnitischen Islams.

Die Lehre geht auf den Gelehrten Abū Ḥanīfa zurück, der im 8. Jahrhundert lebte. Charakteristisch für diesen Ansatz ist die starke Berücksichtigung von Vernunft, logischer Schlussfolgerung und pragmatischen Ermessensentscheidungen bei der Auslegung religiöser Texte. Durch ihre Flexibilität erlangte die Lehre große Popularität und wurde unter anderem im Osmanischen Reich zur staatlich geförderten Ausrichtung.

Heute ist die hanafitische Rechtsschule vor allem in der Türkei, auf dem Balkan sowie in Zentral- und Südasien weit verbreitet. In der Türkei hängt die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung dieser sunnitischen Tradition an. Exakte Zahlen existieren hierzu allerdings nicht: Der türkische Staat hat die konfessionelle Zugehörigkeit seiner Bürger seit dem Zensus von 1965 nicht mehr offiziell erfasst, weshalb genaue Prozentangaben bis heute umstritten sind.

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