Die Vertreibung aus dem Paradies: Mythos und Zeitrechnung
Die Geschichte von Adam und Eva gehört zu den bekanntesten Erzählungen der Menschheit. Doch wann genau soll sich die Vertreibung aus dem Garten Eden abgespielt haben? Geht es nach den Berechnungen historischer Kirchengelehrter, lassen sich verblüffend präzise Daten finden. Besonders bekannt ist die Chronologie des irischen Erzbischofs James Ussher aus dem 17. Jahrhundert. Er datierte die Erschaffung der Welt und der ersten Menschen auf den 23. Oktober 4004 vor Christus.
Demnach vergingen nach der Schöpfung nur wenige Wochen bis zum Sündenfall. Traditionsgemäß wird die anschließende Vertreibung aus dem Paradies oft auf den 10. November desselben Jahres datiert. Für gläubige Menschen jener Epochen boten diese exakten Zeitangaben einen festen Orientierungspunkt in der Heilsgeschichte, um die göttliche Ordnung der Welt zu verstehen.
Aus moderner Sicht sind diese Daten jedoch rein symbolisch und theologisch zu betrachten. Wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Archäologie, Genetik und Anthropologie zeigen ein völlig anderes Bild: Die Menschheit ist deutlich älter. Der moderne Mensch (Homo sapiens) entwickelte sich bereits vor rund 300.000 Jahren auf dem afrikanischen Kontinent. Die biblische Erzählung ist daher weniger als historischer Reisebericht zu verstehen, sondern vielmehr als eine tiefgründige Parabel über den Zustand des Menschen, seine moralische Verantwortung und die Suche nach dem verlorenen Urzustand des Glücks.
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