Warum gehen die Deutschen so oft zum Arzt?
Es ist ein Gerücht, das sich hartnäckig hält: Die Deutschen seien „Arzt-Weltmeister“ und würden wegen jeder Kleinigkeit in die Praxis rennen. Doch ein genauerer Blick auf die Daten zeigt ein ganz anderes Bild. Der häufige Arztbesuch ist meistens keine Frage von Langeweile, sondern eine Frage von Alter und Gesundheit.
Tatsächlich verteilt sich die Anzahl der Arztbesuche in Deutschland sehr ungleich. Statistiken machen deutlich, dass rund 16 Prozent der Patienten für gut die Hälfte aller Arztkontakte verantwortlich sind. Es handelt sich hierbei also nicht um die breite Masse der Bevölkerung, die ständig im Wartezimmer sitzt, sondern um eine eingegrenzte Gruppe von Menschen, die eine besonders intensive medizinische Betreuung benötigt.
Die Hauptgründe dafür liegen auf der Hand: Morbidität und der demografische Wandel. Ältere Menschen und chronisch Kranke leiden häufig unter mehreren Erkrankungen gleichzeitig, der sogenannten Multimorbidität. Wer unter Diabetes, Herzproblemen und Gelenkschmerzen gleichzeitig leidet, muss zwangsläufig verschiedene Fachärzte aufsuchen und regelmäßig zur Kontrolle gehen. Das deutsche Gesundheitssystem ermöglicht diesen engen und notwendigen Austausch zum Glück recht unkompliziert.
Statt von einer „Vollkaskomentalität“ zu sprechen, sollte man die Zahlen eher als Zeichen einer intensiven und engmaschigen Versorgung von denjenigen verstehen, die sie am dringendsten brauchen. Die hohe Zahl der Arztkontakte ist somit oft das Resultat einer alternden Gesellschaft, die medizinisch gut betreut wird.
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