Warum sagt man „anno“?

Der Ausdruck „anno“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet wörtlich „im Jahr“. Es ist der Ablativ Singular von „annus“, was einfach „Jahr“ heißt. In deutschen Texten taucht dieser Begriff seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts auf, vor allem in kirchlichen oder historischen Datierungen. Man sieht ihn oft in Formen wie „anno Domini“ – „im Jahr des Herrn“ – abgekürzt als „A.D.“, was im Deutschen meist durch „n.Chr.“ ersetzt wird.

Für viele klingt „anno“ heute fremd oder veraltet, doch in bestimmten Kontexten, etwa in alten Urkunden oder bei wissenschaftlichen Zitaten, begegnet er uns noch immer. Auch im kirchlichen Umfeld oder in lateinisch geprägten Institutionen bleibt der Ausdruck lebendig. Er ist ein kleiner, aber feiner Beweis dafür, wie stark das Lateinische unsere Sprache und Schreibkultur nach wie vor prägt.

Interessant ist auch, dass „anno“ nicht einfach nur ein sprachlicher Relikt ist – er zeigt, wie eng die europäische Gelehrtenwelt früher mit der lateinischen Sprache verbunden war. Wer heute einen alten Kirchenkalender liest oder eine mittelalterliche Handschrift studiert, stößt früher oder später auf dieses kleine, aber bedeutungsvolle Wort.

So ist „anno“ mehr als eine Datumsangabe: ein Sprachfossil mit Geschichte, das uns an eine Zeit erinnert, in der Gelehrte in Latein dachten, schrieben und rechneten – bis hin zum einfachen „im Jahr“.

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