Warum die Uhr nicht nach dem Dezimalsystem funktioniert

Wenn wir heute Kilometer in Meter umrechnen oder Gramm in Kilogramm, ist alles ganz einfach – zehn, hundert, tausend. Das Dezimalsystem erleichtert uns das Leben. Doch bei der Zeitmessung hört die Einfachheit plötzlich auf: Eine Stunde hat 60 Minuten, eine Minute 60 Sekunden. Warum eigentlich nicht zehn oder hundert?

Schuld daran sind die alten Babylonier. Vor rund 4.000 Jahren nutzten sie ein Zahlensystem zur Basis 60 – das sogenannte Sexagesimalsystem. Es war besonders gut geeignet für Berechnungen am Himmel, da sich die Zahl 60 durch viele andere Zahlen (2, 3, 4, 5, 6, 10, 12 usw.) ohne Rest teilen lässt. Die Babylonier beobachteten Himmelsbewegungen und teilten die Kreise am Himmel in 360 Grad ein – auch eine Zahl, die gut durch 60 teilbar ist. So entstand die Unterteilung des Kreises, und damit indirekt auch der Zeit.

Später übernahmen die Griechen und später die Astronomen des Mittelalters dieses System. Selbst als das Dezimalsystem in der Neuzeit Einzug hielt, blieb die Uhrzeit aus Tradition bestehen. Selbst Versuche, wie während der französischen Revolution, die Zeit dezimal einzuteilen (100 Minuten pro Stunde), scheiterten – die Menschen gewöhnten sich nicht daran.

So bleibt uns bis heute die 60er-Logik: Nicht nur in der Uhrzeit, sondern auch in der Winkelberechnung. Obwohl das Dezimalsystem in nahezu allen anderen Bereichen herrscht, erinnert die Uhr an eine ferne, sternklare Zeit – als die Menschen zum Himmel blickten, um die Welt zu messen.

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