Warum Menschen mit Borderline oft missverstanden werden

Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung erleben Emotionen viel intensiver als andere. Schon ein kurzer Blick auf ein trauriges Gesicht oder ein Foto mit starkem emotionalen Inhalt kann bei ihnen tiefe Gefühle auslösen – manchmal sogar ohne dass sie wissen, warum. Genau das macht es anderen schwer, sie zu verstehen.

Forschung zeigt: Wer keine Borderline-Störung hat, kann Gefühle wahrnehmen, ohne selbst emotional überwältigt zu werden. Er sieht etwa ein trauriges Bild, erkennt die Stimmung – bleibt aber innerlich ruhig. Bei Betroffenen hingegen löst dasselbe Bild oft eine echte emotionale Welle aus. Diese übermäßige Empfindsamkeit gegenüber Emotionen anderer, auch „emotionale Ansteckung“ genannt, ist bei ihnen besonders ausgeprägt. „Menschen mit Borderline sind hypersensitiv“, erklärt die Psychotherapeutin Labek. Schon kleine Hinweise reichen aus, um heftige innere Reaktionen auszulösen – die dann oft falsch gedeutet werden.

Weil diese inneren Vorgänge von außen kaum sichtbar sind, wirken Betroffene manchmal „überreagiert“ oder „dramatisch“. Tatsächlich kämpfen sie aber mit einer extrem sensiblen Wahrnehmung, die sie nicht einfach „ausschalten“ können. Sie fühlen mit, leiden mit – oft stärker, als andere es nachvollziehen können.

Verständnis beginnt dort, wo man akzeptiert, dass nicht alle Menschen Emotionen gleich erleben. Wer versteht, dass diese tiefe Empfindsamkeit keine Wahl, sondern eine Verfassung ist, kann auch anders reagieren – mit mehr Geduld, mehr Nähe und weniger Urteil.

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