Was bedeutet Armut in Deutschland?

Wenn man an Armut denkt, denkt man oft an Länder in großer wirtschaftlicher Not. Doch auch in Deutschland, einem der wohlhabendsten Länder der Welt, gibt es Menschen, die am Rande des Existenzminimums leben. Doch ab wann gilt man hierzulande als arm?

Offiziell spricht man von „Armutsgefährdung“, wenn jemand über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verfügt. Für Alleinstehende lag dieser Schwellenwert im Jahr 2019 bei etwa 1.074 Euro pro Monat. Wer unter diesem Betrag lebt, gilt als armutsgefährdet. Bei Familien ist die Grenze entsprechend höher – sie richtet sich nach der Haushaltsgröße und dem durchschnittlichen Einkommen in Deutschland.

Im Jahr 2019, also vor der Corona-Pandemie, waren knapp 16 Prozent der Bevölkerung in Deutschland von Armut bedroht. Das sind rund jeden sechsten Menschen. Besonders betroffen sind oft Alleinerziehende, ältere Menschen mit geringer Rente, Arbeitslose oder Menschen mit Migrationshintergrund. Aber auch viele Geringverdiener, die fest angestellt sind, reichen mit ihrem Gehalt oft kaum zum Leben aus – eine Entwicklung, die aufzeigt, dass Arbeit nicht immer ausreicht, um Armut zu vermeiden.

Armut in Deutschland zeigt sich nicht immer durch Obdachlosigkeit oder Hunger, sondern oft durch Einschränkungen im Alltag: kein Urlaub, kein Geld für gesunde Ernährung oder Freizeitaktivitäten, Angst vor unerwarteten Ausgaben. Die Zahlen von 2019 geben zwar einen Stand vor der Pandemie wieder, doch Experten gehen davon aus, dass sich die Lage seitdem für viele weiter verschärft hat – besonders mit steigenden Energie- und Wohnkosten.

Siehe auch

Ausführliche Artikel

Verwandte Themen