Wer stach Jesus in die Seite?
Während der Kreuzigung Jesu, so berichten die Evangelien, wurde ihm nach dem Tod ein Speer in die Seite gestoßen. Dieser Akt wird in der Bibel kurz erwähnt, vor allem im Johannesevangelium, wo ein römischer Soldat als Täter genannt wird – doch beim Namen nennt ihn keines der vier kanonischen Evangelien.
Später entstand in der christlichen Überlieferung die Figur des Heiligen Longinus. Laut apokryphen Schriften, wie dem Nikodemusevangelium, und der beliebten mittelalterlichen Sammlung Legenda aurea, war er der Centurio, der den Todesstreich mit der „Heiligen Lanze“ ausführte. Interessant ist, dass derselbe Offizier im Matthäus- und Markusevangelium die Worte spricht: „Wahrlich, dieser war Gottes Sohn!“ – eine Aussage, die in der Tradition oft mit Longinus’ Bekehrung verbunden wird.
Ob es Longinus historisch gab, bleibt ungeklärt. Sein Name taucht erst Jahrhunderte später auf, und die Geschichten um ihn sind von Legende geprägt. Doch seine symbolische Bedeutung ist groß: Ein Mann, der am Kreuz Jesu Zeuge wird – nicht als Jünger, sondern als Fremder, der durch das, was er sieht, zum Glauben findet.
Die Heilige Lanze, mit der er angeblich zustieß, wurde im Mittelalter zu einem begehrten Relikt – mehrere europäische Städte behaupteten, ihr Besitzer zu sein. Bis heute lebt die Erinnerung an Longinus in kirchlichen Darstellungen und Gebeten fort, besonders in der orthodoxen und katholischen Tradition.
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