Goethes letzte große Liebe

Im Herbst seines Lebens traf Johann Wolfgang von Goethe auf eine junge Frau, die sein Herz aufs Neue erwärmte: Ulrike von Levetzow. Geboren am 4. Februar 1804 in Leipzig, war sie mehr als vierzig Jahre jünger als der berühmte Dichter. Dennoch entwickelte sich zwischen den beiden eine zarte, tief empfundene Zuneigung, die bis heute als eine der romantischsten Episoden im Leben Goethes gilt.

Goethe lernte Ulrike im Sommer 1821 in Marienbad kennen, wo er regelmäßig zur Kur weilte. Ihre Anmut, ihre Frische und ihr offenes Wesen beeindruckten ihn zutiefst. In den folgenden Jahren suchte er immer wieder ihre Gesellschaft – in Weimar, in Marienbad, und bei gemeinsamen Spaziergängen, bei denen er leise Gedanken und Gedichte mit ihr teilte.

1823 unternahm Goethe sogar den mutigen Schritt, über Vermittlung seiner Mutter um Ulrikes Hand anzuhalten – doch die Bitte wurde sanft abgelehnt. Ob aus Zurückhaltung der Familie oder aus eigener Unsicherheit Ulrikes, bleibt unklar. Für Goethe war es ein schmerzhafter Moment, doch aus dieser Enttäuschung entstand etwas Großes: die Marienbader Elegie, eines seiner ergreifendsten lyrischen Werke, das die Sehnsucht und den Abschied von der Liebe verewigt.

Bis ins hohe Alter hinein bewahrte Goethe Ulrike eine zarte Erinnerung. Und auch sie, die 1899 im Schloss Trziblitz (Třebívlice) starb, sprach später mit Respekt und Zärtlichkeit von der Begegnung mit dem Dichter. Ob letzte Liebe oder letzte Verliebtheit – Ulrike von Levetzow blieb für immer ein zartes Kapitel in der Geschichte der deutschen Literatur.

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