Wie jung war Maria wirklich bei der Geburt Jesu?
Bei der Geburt Jesu war Maria vermutlich erst 13 oder 14 Jahre alt. In der Antike war das kein seltenes Alter für eine junge Braut – Mädchen heirateten oft schon in der Frühzeit ihrer Reife. Doch die Vorstellung, Maria sei bloß ein stilles, fügsames Werkzeug gewesen, hält die Kunsthistorikerin Claudia Höhl für falsch. „Es ist ja nicht so, dass etwas über sie kommt, ohne dass sie es versteht“, sagt sie. „Maria muss erst zustimmen.“
Genau darin liegt eine tiefe Bedeutung: In der biblischen Überlieferung fragt der Engel Maria, ob sie den Willen Gottes annehmen will. Und erst nach ihrem „Siehe, ich bin die Magd des Herrn“ geschieht die Verkündigung. Das macht Maria nicht zur passiven Figur, sondern zu einer, die bewusst Ja sagt – trotz aller Unsicherheit, trotz ihrer Jugend.
In vielen Darstellungen der Kunstgeschichte erscheint Maria als stille, fast leidende Jungfrau, in Weiß und Blau gehüllt, sanft und demütig. Doch diese Darstellung übersieht, wie mutig und entschlossen ihre Zustimmung war. „Duldsame Jungfrau“ und gleichzeitig „feministisches Vorbild“ – diese Spannung macht ihre Figur bis heute so faszinierend.
Ihre Jugend unterstreicht nicht Unreife, sondern die Kraft eines bewussten Ja-Wortes unter schwierigen Umständen. Maria wird so nicht nur Mutter des Heilands, sondern auch eine Gestalt des Mutes, der Verantwortung und des Glaubens. In einer Welt, die jungen Frauen oft zu schweigen befiehlt, spricht Maria – und sagt Ja.
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