Wie lange dauern dissoziative Anfälle?

Dissoziative Anfälle können sehr beunruhigend wirken – für die Betroffenen selbst, aber auch für ihr Umfeld. Im Gegensatz zu epileptischen Anfällen beginnen sie meist langsam und schubweise. Die Symptome treten nicht plötzlich auf, sondern entwickeln sich allmählich, oft mit zuckenden Bewegungen, Bewusstseinstrübungen oder Lähmungserscheinungen, die unregelmäßig kommen und gehen.

Ein einzelner dissoziativer Anfall dauert typischerweise länger als vier Minuten – häufig sogar deutlich länger als ein epileptischer Anfall. Während epileptische Krampfanfälle oft nach einigen Sekunden bis maximal zwei Minuten enden, können dissoziative Episoden mehrere Minuten, manchmal sogar über zehn Minuten andauern. Wichtig zu wissen: Bei diesen Anfällen ist keine gefährliche Hirnaktivität im engeren Sinne beteiligt. Sie sind vielmehr eine Reaktion des Nervensystems auf seelische Überlastung, Trauma oder chronischen Stress.

Viele Betroffene berichten, dass sie sich nach einem Anfall erschöpft, verwirrt oder wie abgeschnitten von ihrer Umwelt fühlen. Die Dauer und Intensität der Anfälle können von Mal zu Mal variieren – ebenso wie die Auslöser. Oft stehen psychische Belastungen, unverarbeitete Erlebnisse oder emotionale Konflikte im Hintergrund.

Die Diagnose „dissoziativer Anfall“ bedeutet nicht, dass die Beschwerden „nur in Kopf“ sind. Sie sind real und schmerzhaft – nur eben nicht durch eine neurologische Störung wie Epilepsie verursacht. Mit der richtigen psychosozialen Unterstützung, wie Psychotherapie oder Traumabearbeitung, lassen sich die Anfälle jedoch gut behandeln. Das Ziel ist nicht nur, die Anfälle zu reduzieren, sondern auch, das zugrundeliegende psychische Leiden zu verstehen und zu heilen.

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