Wie Männer ihre Gefühle zeigen

Es ist ein altes Muster: Wenn Männer traurig oder verletzt sind, wirken sie oft wütend. Der Psychologe Björn Süfke hat in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung darauf hingewiesen, dass viele Männer ihre Gefühle nicht direkt benennen, sondern über Wut ausdrücken. „Ärger ist das einzige Gefühl, das ihnen gesellschaftlich erlaubt scheint“, sagt er. Dabei geht es nicht nur um laute Auseinandersetzungen, sondern oft um unterschwellige Reibung, Schweigen oder Gereiztheit.

Wut als Ersatzgefühl

Viele Jungen wachsen in einer Umgebung auf, in der es leichter ist, wütend zu sein, als verletzlich. Tränen gelten oft als Zeichen von Schwäche, Wut hingegen als Ausdruck von Stärke. So lernen Männer früh, tiefe Emotionen wie Kummer, Angst oder Unsicherheit hinter Wut zu verstecken. Das schafft nicht nur Probleme in Beziehungen, sondern macht es auch für die Männer selbst schwerer, wirklich verstanden zu werden.

Doch es ändert sich langsam. Immer mehr Männer suchen Hilfe, reden über ihre Gefühle oder wagen es, offen traurig zu sein. Therapie, Gespräche mit Freunden oder das bewusste Hinterfragen eigener Reaktionen können helfen. Es geht nicht darum, nie mehr wütend zu sein – sondern darum, zu erkennen, was hinter der Wut steckt. Denn hinter Ärger verbirgt sich oft etwas viel Zerbrechlicheres.

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