Eine Halbe, ein Seidel oder ein Seidla?

Wer in Deutschland ein Bier bestellt, merkt schnell, dass Bier keineswegs gleich Bier ist – zumindest was die Bezeichnungen für die Mengenangaben angeht. Besonders im Süden des Landes hat der halbe Liter eine lange Tradition und seinen ganz eigenen regionalen Wortschatz hervorgebracht.

In Bayern greift man am Tresen oder im Biergarten besonders gerne zur klassischen „Halben“ oder spricht historisch von der halben Maß. Interessanterweise entsprach dieses Maß vor der Einführung des metrischen Systems sogar rund 0,535 Litern. Der Begriff bezeichnet dabei nicht nur die flüssige Erfrischung selbst, sondern traditionell auch den urigen Steingutkrug, das sogenannte Bierseidel.

Fährt man ein Stück weiter nördlich nach Franken, begegnet einem eine ganz eigene sprachliche Besonderheit: das „Seidla“. Der aus dem Mittelhochdeutschen stammende Begriff leitet sich direkt vom Seidel ab und ist aus der fränkischen Wirtshauskultur nicht wegzudenken. Wer hier beim Wirt ein Seidla bestellt, bekommt ohne Umschweife seinen halben Liter frisch gezapftes Bier serviert.

Ob nun Halbe, Seidel oder Seidla – der halbe Liter bleibt die wohl beliebteste Dosis deutscher Braukunst und verbindet Gemütlichkeit mit gelebter Regionalgeschichte.

Siehe auch

Ausführliche Artikel

Verwandte Themen