Wie vertrauenswürdig ist der Blaue Engel wirklich?
Wer im Supermarkt oder beim Möbelkauf auf den Blauen Engel stößt, verbindet das Siegel meist mit einem rundum umweltfreundlichen Produkt. Seit über 40 Jahren gilt es als verlässlicher Wegweiser für nachhaltigen Konsum. Doch wie vertrauenswürdig ist das älteste Umweltzeichen der Welt tatsächlich? Für Verbraucher lohnt sich ein genauerer Blick auf die Kriterien, um Fehlinterpretationen zu vermeiden.
Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass der Blaue Engel eine völlige Unbedenklichkeit des Produkts bescheinigt. Das ist jedoch keineswegs der Fall. Das Siegel drückt lediglich eine relative Umweltfreundlichkeit aus. Es sagt aus, dass ein zertifiziertes Produkt in seiner spezifischen Warengruppe – beispielsweise bei Recyclingpapier, Lacken oder Elektrogeräten – umweltschonender ist als konventionelle Alternativen. Es handelt sich also um einen reinen Vergleich innerhalb einer Produktkategorie, nicht um ein absolutes Gütesiegel für Schadstofffreiheit oder makellose Ökobilanzen.
Zudem stößt das Vergabeverfahren in der Praxis auf Kritik. Der Blaue Engel liefert keine differenzierten Informationen darüber, welches von zwei ausgezeichneten Produkten die Nase vorn hat. Beide erhalten dasselbe Logo, selbst wenn eines der Produkte strengere ökologische Standards erfüllt als das andere. Da die Kriterien alle paar Jahre überarbeitet werden, hinken sie zudem manchmal der technischen Entwicklung hinterher.
Trotz dieser Einschränkungen bleibt der Blaue Engel ein wichtiges und vertrauenswürdiges Orientierungsmittel im Label-Dschungel, da die Vergabekriterien von einer unabhängigen Jury festgelegt und vom Umweltbundesamt geprüft werden. Wer jedoch maximalen Umweltschutz sucht, sollte das Siegel als Mindeststandard betrachten und im Zweifel zusätzliche Testergebnisse oder Inhaltsstoffe vergleichen.
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