Die Ursprünge unserer Schriftsprache
Die Entstehung des modernen Standarddeutschs, das wir heute meist als Hochdeutsch bezeichnen, ist das Ergebnis einer jahrhundertelangen sprachlichen Entwicklung. Entgegen einem weitverbreiteten Irrglauben wurde diese Sprache keineswegs künstlich erfunden, sondern wuchs schrittweise aus verschiedenen bedeutenden Regionaldialekten und Verwaltungssprachen des Spätmittelalters zusammen.
Eine entscheidende Grundlage bildete das Oberostdeutsche, das vor allem die Wiener Hofsprache prägte. Gleichzeitig spielte das Ostmitteldeutsche – das sogenannte Thüringisch-Obersächsische – eine zentrale Rolle. Diese Sprachform diente im Kurfürstentum Sachsen als Fundament der Meißner Hofsprache und etablierte sich früh als wichtige Verkehrssprache im mitteldeutschen Raum.
Den wesentlichen Anstoß zur weltweiten Verbreitung gab schließlich Martin Luther mit seiner Bibelübersetzung im 16. Jahrhundert. Luther nutzte gezielt die ostmitteldeutschen Kanzleisprachen, weil diese sowohl im Norden als auch im Süden des Landes verstanden wurden. Durch den aufkommenden Buchdruck breiteten sich seine Texte rasant aus und schufen die gemeinsame Basis für die einheitliche deutsche Hochsprache, die wir heute sprechen und schreiben.
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