Die Milz ist eines der faszinierendsten und gleichzeitig oft am meisten unterschätzten Organe im menschlichen Körper. Obwohl sie eine zentrale Rolle für unser Immunsystem und die Blutreinigung spielt, ist sie im Alltag kaum spürbar.
In diesem ersten Teil unseres Expertenartikels beleuchten wir die anatomischen Grundlagen, die Frage der Schmerzempfindlichkeit sowie die häufigsten medizinischen Ursachen für Milzbeschwerden.
Anatomie und die Besonderheit der Schmerzempfindlichkeit
Um zu verstehen, wann die Milz schmerzt, muss man zunächst wissen, wo sie sich befindet und wie sie aufgebaut ist. Die Milz liegt geschützt im linken Oberbauch, direkt unterhalb des Zwerchfells und hinter dem Magen, meist versteckt hinter den unteren Rippen (etwa auf Höhe der neunten bis elften Rippe).
Eine gesunde Milz ist von Natur aus völlig schmerzunempfindlich.
Schmerzen entstehen daher fast immer indirekt:
Dehnung der Organkapsel: Die Milz ist von einer straffen, sensiblen Bindegewebskapsel umgeben.
Wenn das Organ aufgrund von Erkrankungen oder Schwellungen an Volumen zunimmt, dehnt sich diese Kapsel aus. Erst dieser Zug und der Druck auf die Kapsel erzeugen die typischen Schmerzen. Nachbarorgane und Nerven: Da die vergrößerte Milz Platz beansprucht, drückt sie auf umliegende Strukturen wie den Magen, das Zwerchfell oder das Bauchfell, was die Beschwerden verstärken kann.
Häufige Ursachen für Milzschmerzen
Wenn die Milz schmerzt oder ein spürbares Druckgefühl verursacht, steckt dahinter meist eine sogenannte Splenomegalie (Milzvergrößerung) oder eine akute Beeinträchtigung der Durchblutung.
1. Infektionskrankheiten
Ein sehr häufiger Grund für eine schmerzhafte Milzschwellung sind Infektionen.
Pfeiffer’sches Drüsenfieber (Mononukleose): Diese Viruserkrankung ist vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen verbreitet und führt sehr oft zu einer deutlichen, schmerzhaften Vergrößerung der Milz.
Bakterielle Infektionen und Sepsis: Auch schwere Infektionen im Körper oder Blutvergiftungen zwingen die Milz zu Höchstleistungen, wodurch sie anschwillt.
2. Hämatologische Erkrankungen (Bluterkrankungen)
Da die Milz eng mit dem Blutkreislauf und dem Abbau alter Blutzellen verknüpft ist, spiegeln sich Störungen des Blutes oft direkt im Organ wider:
Anämien (Blutarmut): Bestimmte Formen, bei denen rote Blutkörperchen verformt sind oder schneller abgebaut werden (wie die Sichelzellanämie), führen zu einer Überarbeitung und Vergrößerung der Milz.
Leukämie und Lymphome: Bösartiger Blut- oder Lymphdrüsenkrebs führt häufig zu einer massiven Ansammlung von Zellen in der Milz.
3. Durchblutungsstörungen (Milzinfarkt)
Genauso wie das Herz kann auch die Milz einen Infarkt erleiden.
Haben Sie in letzter Zeit ein ungewohntes Druckgefühl oder Schmerzen im linken Oberbauch bemerkt?
Was tun bei Milzschmerzen? Diagnostik und Ausblick
Wann Sie sofort zum Arzt müssen
Anhaltende Schmerzen im linken Oberbauch sollten niemals ignoriert werden.
Moderne Diagnosewege
Um die genaue Ursache der Beschwerden zu finden, nutzen Ärztinnen und Ärzte verschiedene Untersuchungsmethoden:
Ultraschall (Sonografie): Macht eine Vergrößerung der Milz schnell und schmerzfrei sichtbar.
Blutuntersuchung: Gibt Aufschluss über Entzündunswerte oder Veränderungen der Blutzellen.
Schnittbildverfahren: CT oder MRT kommen bei unklaren Befunden oder Verletzungen zum Einsatz.
Wichtiger Hinweis: Die Milz schmerzt selten grundlos.
Meistens steckt eine Infektion, eine Sportverletzung oder eine andere Grunderkrankung dahinter, die gezielt behandelt werden muss.
Hast du selbst schon mal das typische „Seitenstechen“ beim Sport gespürt und dich gefragt, ob das etwas mit der Milz zu tun hat?
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