Wenn die Last zu schwer wird: Erste Schritte, wenn man psychisch am Ende ist
Es gibt Phasen im Leben, in denen sich alles grau, erdrückend und schier unlösbar anfühlt. Wenn die Energiereserven komplett aufgebraucht sind, der Kopf ununterbrochen kreist und man das Gefühl hat, den Boden unter den Füßen zu verlieren, spricht man oft davon, "psychisch am Ende" zu sein. Dieser Zustand ist erschreckend, schmerzhaft und löst bei vielen Betroffenen zusätzlich das Gefühl von Panik oder Einsamkeit aus. Das Wichtigste vorweg: Du bist mit diesem Gefühl nicht allein, und dieser Zustand ist – so dunkel er sich im Moment auch anfühlen mag – nicht von Dauer, selbst wenn es sich jetzt genau so anfühlen sollte.
Warum das Gefühl völlig verständlich ist
Die moderne Leistungsgesellschaft verlangt jungen Menschen oft enorm viel ab. Leistungsdruck in der Schule oder Ausbildung, familiäre Konflikte, Zukunftsängste, Mobbing oder der ständige Vergleich mit anderen auf Social Media können das Nervensystem überfordern. Wenn der Körper und die Psyche über einen längeren Zeitraum hinweg Signale wie Erschöpfung, Schlafstörungen oder ständige Sorgen ignoriert haben oder ignorieren mussten, ziehen sie irgendwann die Notbremse.
Sich "am Ende" zu fühlen, ist daher keine Schwäche oder ein persönliches Versagen. Es ist vielmehr ein Alarmsystem deiner Psyche, die dir unmissverständlich mitteilt: „Es ist im Moment einfach zu viel. Ich brauche Hilfe und eine Pause.“
Was du jetzt sofort tun kannst: Akuthilfe für den Ernstfall
Wenn der Druck unerträglich wird und du akute, überwältigende Krisen durchlebst, solltest du versuchen, den Fokus auf die all Nötigste zu richten und dich in Sicherheit zu bringen.
Schritt aus dem Sturm: Versuche, aus der Situation oder Umgebung herauszukommen, die dich gerade am meisten triggert oder stresst. Suche dir einen ruhigen Ort, an dem du dich sicher fühlst.
Erdung und Atmung: Konzentriere dich auf deine Atmung. Atme tief durch die Nase ein und langsam durch den Mund wieder aus. Das hilft dem zentralen Nervensystem, das sich im Alarmmodus befindet, ein Stück weit herunterzufahren.
Hilfsangebote nutzen:
Es gibt professionelle Stellen, die rund um die Uhr erreichbar, absolut anonym und kostenlos sind. Wenn du mit jemandem reden musst, der dir zuhört, ohne zu verurteilen: Nummer gegen Kummer
(für Kinder und Jugendliche): 116 111 (Mo–Sa von 14 bis 20 Uhr) TelefonSeelsorge:
0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (rund um die Uhr, kostenfrei) In akuten, lebensbedrohlichen Notfällen wähle bitte sofort den Notruf (112).
Hinweis: Niemand muss diese schweren Phasen alleine durchstehen. Sich jemandem anzuvertrauen ist der erste und wichtigste Schritt zurück ans Licht.
Schritte aus der Krise: Professionelle Unterstützung und Selbstfürsorge
Wenn man das Gefühl hat, psychisch komplett am Ende zu sein, ist der wichtigste und schwerste Schritt getan, sobald man sich das eingesteht. Niemand muss diesen Weg alleine gehen, und es gibt wirksame Unterstützung.
Sofortige Hilfe in akuten Notfällen
Notruf wählen: Bei akuter Gefahr oder dem Gefühl, sich oder andere zu verletzen, wählen Sie sofort den Notruf (112 in Deutschland und EU-weit, 144 in Österreich).
Kostenlose Krisentelefone:
Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr anonym und kostenlos erreichbar unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222.
Speziell für Jugendliche gibt es die Nummer gegen Kummer unter 116 111 (montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr).
Online-Beratung für junge Leute bietet zudem der Krisenchat an.
Nächste Schritte im Alltag
Der Hausarzt als erste Anlaufstelle:
Ärztinnen und Ärzte können körperliche Ursachen ausschließen, Medikamente verschreiben oder direkt an Psychotherapeuten und Facharztpraxen überweisen. Kleine Routinen beibehalten: Wenn der Alltag überwältigend ist, helfen winzige Fixpunkte. Versuchen Sie, zu ähnlichen Zeiten aufzustehen, regelmäßig zu trinken und sich kurz an der frischen Luft zu bewegen.
Keine zu hohen Ansprüche:
Erwarten Sie nicht, dass sofort alles wieder gut wird. Konzentrieren Sie sich ausschließlich auf den heutigen Tag – Schritt für Schritt.
"Hilfe anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern der mutigste Beweis dafür, dass Sie leben wollen und für sich sorgen."
Fällt es Ihnen schwer, sich vorzustellen, wem Sie sich als Erstes anvertrauen könnten?
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