Wie holt man jemanden aus einem Flashback? (Teil 1)
Ein Flashback ist ein zutiefst erschütterndes Erlebnis. Für Aussenstehende wirkt es oft so, als würde die betroffene Person plötzlich grundlos in Panik geraten, erstarren oder heftig emotional reagieren. In Wahrheit durchlebt sie im Inneren Bruchteile eines vergangenen Traumas so intensiv, als würde es im exakten Moment wieder passieren.
Wenn eine Freundin, ein Familienmitglied oder eine nahestehende Person von einem Flashback getroffen wird, fühlen sich Angehörige oft hilflos. Doch Sie können viel tun, um Stabilität zu geben.
1. Ruhe bewahren und Sicherheit ausstrahlen
Das Nervensystem der betroffenen Person befindet sich im absoluten Alarmzustand (Kampf- oder Fluchtmodus). Wenn Sie jetzt panisch werden, verstärken Sie diese Angst nur.
Atmen Sie tief durch:
Bevor Sie handeln, regulieren Sie Ihre eigene Atmung. Sorgen Sie für äussere Sicherheit:
Bringen Sie die Person, falls nötig, weg von lauten Orten, großen Menschenmengen oder unmittelbaren Gefahrenquellen. Keine ruckartigen Bewegungen: Kündigen Sie jede Berührung an, da plötzliche körperliche Nähe als Bedrohung missverstanden werden kann.
2. Orientierung im Hier und Jetzt geben
Da das Gehirn der betroffenen Person zeitlich in die Vergangenheit katapultiert wurde, müssen Sie sanft aber bestimmt die Brücke zur Gegenwart schlagen. Nutzen Sie eine ruhige, feste Stimme.
Sprechen Sie klare, einfache Wahrheiten aus: Sätze wie „Du bist in Sicherheit“, „Du bist hier in meinem Zimmer“ oder „Das Jahr ist 2026, das Trauma ist vorbei“ helfen dem Verstand, sich neu zu orientieren.
Bieten Sie Orientierung durch den Raum: Bitten Sie die Person, bewusst wahrzunehmen, was sie umgibt.
Hinweis: Drängen Sie die Person niemals dazu, über das auslösende Ereignis zu sprechen. Ein Flashback ist keine Zeit für die Aufarbeitung des Traumas, sondern ein Notfall für das Nervensystem, der reine Beruhigung verlangt.
Im nächsten Teil dieses Artikels erfahren Sie konkrete körperliche Techniken (wie die 5-4-3-2-1-Methode) und praktische Notfallschritte, mit denen Sie eine betroffene Person sicher aus der Dissoziation begleiten.
Praxisnahe Schritte zur Rückkehr in die Gegenwart
Wenn eine Person von einem Flashback eingeholt wird, befindet sich ihr Nervensystem im Alarmzustand.
Spreche ruhig und klar: Verwende eine feste, aber warme Stimme.
Sage der Person, wer du bist, wo sie sich befindet und welches Datum wir heute haben. Fokus auf die Sinne lenken:
Nutze die bewährte 5-4-3-2-1-Methode. Bitte die betroffene Person, dir fünf Dinge zu nennen, die sie sehen kann, vier Dinge, die sie spürt, drei Dinge, die sie hört, zwei Dinge, die sie riecht und eine Sache, die sie schmeckt. Körperkontakt vorher abklären:
Überraschende Berührungen können Panik verstärken, da sie im Flashback falsch interpretiert werden. Frage immer erst kurz, ob du eine Hand halten oder die Schulter berühren darfst. Physische Stabilität erzeugen: Hilf der Person, beide Füße flach auf den Boden zu stellen.
Das bewusste Spüren des festen Untergrunds signalisiert dem Gehirn körperliche Sicherheit. Geduld bewahren: Ein Flashback lässt sich nicht künstlich beschleunigen.
Gib der betroffenen Person den Raum, den sie braucht, um emotional wieder vollständig anzukommen.
Wichtiger Hinweis: Wenn die Flashbacks häufiger auftreten oder den Alltag stark belasten, ist professionelle therapeutische Unterstützung unumgänglich, um die zugrundeliegenden Traumata langfristig aufzuarbeiten.
Haben Sie selbst oder hat eine Person in Ihrem Umfeld schon einmal Erfahrungen mit solchen Erdungstechniken gemacht?
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