Inhaltsverzeichnis
Eine eigene Kündigung auszusprechen ist ein großer Meilenstein im Berufsleben. Egal, ob der Schritt aus Frustration, wegen neuer beruflicher Perspektiven oder aus persönlichen Gründen erfolgt ist – die Phase zwischen der Einreichung des Kündigungsschreibens und dem letzten Arbeitstag bringt oft eine emotionale und organisatorische Achterbahnfahrt mit sich. Viele Arbeitnehmer unterschätzen, wie wichtig ein souveräner und professioneller Umgang in dieser Übergangszeit ist. Schließlich prägt das Verhalten während der Kündigungsfrist nachhaltig das berufliche Zeugnis, das Netzwerk und den Ruf in der Branche.
1. Die Kündigung rechtssicher einreichen: Der formale Startschuss
Bevor es um das Verhalten im Büro geht, muss die Kündigung rechtlich Hand und Fuß haben. Eine mündliche Kündigung ist im deutschen Arbeitsrecht unwirksam; jede Eigenkündigung bedarf zwingend der Schriftform (§ 623 BGB).
Schriftform wahren: Das Dokument muss eigenhändig mit Vor- und Nachname unterzeichnet sein. Eine digitale Kündigung per E-Mail, Fax oder WhatsApp ist ungültig.
Kündigungsfrist beachten: Prüfen Sie Ihren Arbeitsvertrag oder den geltenden Tarifvertrag hinsichtlich der Fristen. Bei einer Eigenkündigung gilt in der Regel die gesetzliche Frist von vier Wochen zum Monatsende oder zum 15. des Monats, es sei denn, im Vertrag ist eine abweichende Regelung vereinbart.
Zugang nachweisen: Überreichen Sie das Schreiben im Idealfall persönlich gegen eine Empfangsbestätigung (Unterschrift und Datum auf einer Kopie mit dem Vermerk "Erhalten am...") oder senden Sie es per Einwurf-Einschreiben rechtzeitig vor Fristablauf.
Keine Gründe nennen: Sie sind rechtlich nicht dazu verpflichtet, im Kündigungsschreiben Gründe zu nennen. Eine sachliche Formulierung ohne emotionale Ausbrüche schützt vor Missverständnissen.
2. Die Reaktion des Chefs und das Vier-Augen-Gespräch
Nachdem das Schreiben überreicht ist, folgt meist zeitnah ein persönliches Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten. Hier gilt es, professionell und fair zu bleiben, selbst wenn das Arbeitsverhältnis von Konflikten belastet war.
Fairness und Sachlichkeit: Bedanken Sie sich im Rahmen des Möglichen für die Zusammenarbeit und die gesammelten Erfahrungen. Dies gilt auch dann, wenn Sie froh sind, das Unternehmen zu verlassen.
Klarheit bei der Entscheidung: Lassen Sie im Gespräch keinen Raum für Zweifel. Wenn Ihre Entscheidung feststeht, sollten Sie "Gegenangebote" (wie Gehaltserhöhungen oder andere Positionen) höflich, aber bestimmt ablehnen, es sei denn, Sie haben Ihre Kündigung rein aus Verhandlungstaktik ausgesprochen – wovon im Regelfall abzuraten ist.
Gegenseitiges Einvernehmen: In manchen Fällen bietet der Arbeitgeber einen Aufhebungsvertrag an, um das Arbeitsverhältnis früher zu beenden. Hierbei ist Vorsicht geboten, da eine kürzere Frist unter Umständen zu einer Sperrzeit beim Arbeitslosengeld führen kann (sofern nicht direkt nahtlos eine neue Stelle folgt).
3. Die Kollegen informieren: Strategie für das Team
Die Frage, wann und wie Sie Ihre Kolleginnen und Kollegen informieren, hängt stark von der Unternehmenskultur und Ihrem Beziehungsstatus zum Team ab.
Den Vorgesetzten den Vortritt lassen: Sprechen Sie zunächst mit Ihrem direkten Vorgesetzten, bevor Sie das gesamte Team ins Bild setzen. Es gilt als unkollegial und unprofessionell, wenn der Vorgesetzte von dritter Seite von Ihrer Kündigung erfährt.
Zeitpunkt wählen: Nach dem Chefgespräch sollten Sie zeitnah die engsten Kolleginnen und Kollegen informieren, mit denen Sie direkt zusammenarbeiten. Für die breite Belegschaft eignet sich oft eine kurze, wertschätzende Rundmail kurz vor dem Abschied oder beim offiziellen Ausstand.
Gerüchte vermeiden: Kommunizieren Sie offen, aber diskret. Nennen Sie den wahren Grund (z. B. neue berufliche Herausforderung), ohne das Unternehmen oder ehemalige Vorgesetzte schlechtzureden. Die Welt ist oft klein, und man sieht sich im Berufsleben häufig zweimal.
4. Leistungsbereitschaft und Motivation bis zum letzten Tag
Der wohl größte Fehler, den Arbeitnehmer nach einer Kündigung machen können, ist die sogenannte "innere Kündigung" in die Tat umzusetzen und die Arbeit komplett einzustellen ("Quiet Quitting" im Endspurt).
Der Ruf eilt voraus: Ihr Arbeitszeugnis wird maßgeblich von den Leistungen und dem Verhalten in den letzten Wochen beeinflusst. Ein engagierter Abschluss hinterlässt einen bleibenden positiven Eindruck.
Projekte sauber übergeben: Erstellen Sie eine detaillierte Übergabeliste. Dokumentieren Sie offene Vorgänge, Ansprechpartner, Zugangsdaten und laufende Projekte so, dass Ihr Nachfolger oder Ihr Team nahtlos weiterarbeiten kann.
Kollegialität zeigen: Bieten Sie Hilfe bei der Einarbeitung einer Nachfolge an, sofern die Zeit und die betrieblichen Kapazitäten dies erlauben.
Haben Sie bereits konkrete Fragen dazu, wie Sie Ihre Resturlaubstage oder Überstunden in dieser Phase am besten regeln?
Letzte Schritte und der erfolgreiche Neustart
Wenn Sie die Kündigung selbst eingereicht haben, befinden Sie sich in einer Phase des Übergangs, die professionell gestaltet sein will. Die letzten Wochen im alten Job prägen Ihren bleibenden Eindruck und legen den Grundstein für Ihr nächstes berufliches Kapitel.
1. Das professionelle Offboarding
Ein sauberer Abschied ist essenziell für Ihr berufliches Netzwerk.
Wissen dokumentieren: Fassen Sie laufende Projekte, Ansprechpartner und wichtige Passwörter übersichtlich für Ihre Nachfolge oder das Team zusammen.
Offene Aufgaben abschließen: Bringen Sie so viele Projekte wie möglich zu einem runden Ende, um das Team zu entlasten.
Abschiedsgespräche führen: Nutzen Sie das finale Feedback-Gespräch (Exit-Interview) konstruktiv und sachlich. Bewahren Sie stets eine professionelle Haltung.
2. Arbeitszeugnis und Referenzen
Das qualifizierte Arbeitszeugnis ist Ihre Eintrittskarte für zukünftige Bewerbungen.
Rechtzeitig anfordern: Bitten Sie frühzeitig um die Ausstellung Ihres Zeugnisses, da dies oft einige Zeit in Anspruch nimmt.
Inhalte prüfen: Achten Sie auf branchenübliche Formulierungen und darauf, dass Ihre Kernleistungen und Erfolge gewürdigt werden.
Ansprechpartner sichern: Fragen Sie vertraute Vorgesetzte oder Kollegen, ob Sie diese später als Referenz angeben dürfen.
3. Der Fokus auf den neuen Weg
Sobald der alte Arbeitsplatz hinter Ihnen liegt, gilt es, den Blick nach vorne zu richten.
Netzwerk pflegen: Aktualisieren Sie Ihr Profil auf Karrierenetzwerken wie LinkedIn oder XING und informieren Sie Ihre Kontakte über Ihren nächsten Schritt.
Mentale Pause: Nutzen Sie, sofern es der Zeitplan erlaubt, ein paar Tage zur Erholung, um mit frischer Energie in den neuen Job zu starten.
Vorbereitung: Machen Sie sich mit den Anforderungen Ihrer neuen Position vertraut, um von Tag eins an souverän aufzutreten.
Ein gut geplanter Abschied zeigt Charakter und lässt Sie gestärkt aus der Veränderung hervorgehen.
Welche konkreten Fragen haben Sie zur Vorbereitung auf Ihren neuen Job nach dem Wechsel?
Kommentare
Noch keine Kommentare. Seien Sie der Erste.